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Überraschungs-Ei
Citroen C3 Pluriel

Endlich wieder ein
Citroen der voller Überraschungen steckt! Denn der Franzose wirkt nur auf dem ersten Blick wie ein ganz gewöhnlicher Kleinwagen und ist ein echter Augenschmaus. Der C3 Pluriel ist vier Autos - Limousine, Cabrio, Spider und Pick-up in einem und braucht dafür nur eine einzige Garage. Hält der Pluriel was er verspricht? www.automobilrevue.de hat’s nachgeprüft.

Hurra - Citroen ist wieder Citroen und der C3 Pluriel wie ein Überraschungs-Ei: Spiel, Spaß, Spannung und Schokolade. Kommt man bis zum Kern, beginnt die Bastelarbeit. In der Tat ist er ein Auto für selbsternannte Lebenskünstler – und Hobbybastler, denn ohne das kleine Faltblatt, das den Striptease in allen Details erklärt, stehen die Tester erst einmal etwas ratlos da.

Die einfachste Methode, um in den Genuss von ungetrübtem Frischluftvergnügen zu kommen, ist ein Dreh am Zentralknopf über dem Innenspiegel, wodurch das Faltdach sanft nach hinten surrt und bis zu einem Quadratmeter blauen Himmel in den Innenraum strahlt. Drückt man den gleichen Knopf noch einmal, schiebt sich das Dach weiter auf und legt sich nun über die beheizbare Glasheckscheibe. Die Sicht nach hinten ist dann freilich versperrt, aber die beiden Außenspiegel sind schließlich auch noch da. Klappt man dann den kleinen Plastikspoiler auf dem Windschutzscheibenrahmen hoch, verschwindet auch das typische „Wummern“ des Fahrtwindes. Beim versenken der vier Seitenscheiben (elektrisch) fällt sofort das Fehlen der B-Säule auf und echtes Cabrio-Gefühl stellt sich ein.

Komplizierte Metamorphose von Limousine zu Spider.

Doch das raffinierte Dach hat seine Trümpfe noch lange nicht alle ausgespielt, denn man kann es wie von Zauberhand einfach komplett verschwinden lassen. Hierzu muss man allerdings aussteigen, den doppelten Boden des Kofferraums hervorziehen, ein paar Handgriffe erledigen und die Dachkassette mit einem Schwenk um die eigene Achse im Zwischenboden versenken. In diesem Zustand ist der Pluriel einzigartig, denn eine richtige Cabrio-Limousine mit fest stehenden Dachbögen hat sonst kein anderer Hersteller im Angebot.

Für ein perfektes Cabrio-Feeling können jetzt noch die beiden Dachholme entfernt werden, um aus dem Cabrio einen fetzigen Spider zu machen. Und genau das ist das Manko an der ganzen Sache. Die beiden Stoßzähne sind rund 12 kg schwer und lassen sich zwar recht leicht abmontieren, doch so einfach das Entfernen ist, so schwierig wird das Aufbewahren: Da sie sich leider nicht im Wagen unterbringen lassen so wie etwa beim
Smart Roadster, müssen die Dachholme daher z.B. in einer Garage aufbewahrt werden. Und wehe, es fängt dann unterwegs an zu regnen, dann hat man nämlich kein Dach mehr über dem Kopf. Der Citroen fährt eben ohne Netz und doppelten Boden – more risk, more fun! Im Ernstfall hilft nur noch schnellen Unterschlupf suchen oder eine Plane aus dem Zubehör, die den Wagen vor Nässe und Schmutz schützt.

Zu guter Letzt kann man dann auch noch die Rückbank wegklappen, wodurch eine sehr großzügige Ladefläche entsteht. Braucht der Haushalt eine neue Waschmaschine? Kein Problem mit dem Pluriel. Schließlich könnte man auch noch die Heckklappe nach unten wegklappen und die Ladefläche verlängern, worüber aber Deutschlands Polizei sicher nicht erfreut wäre, da das hintere Kennzeichen sowie die dritte Bremsleuchte sonst verdeckt wäre. Diese Variante ist also hierzulande nicht zugelassen, obwohl es doch bestimmt auch seine Reize hätte. Citroen Deutschland Chef Pascal Soland glaubt allerdings, das 95% aller Kunden die Spider-Verwandlung nie vornehmen werden und sich mit dem zurückklappen des Faltdaches begnügen werden.

Um die komplizierte Verdeckmechanik zu schützen, ist der Pluriel mit einer Multiplex-Elektronik ausgerüstet die darüber wacht, das Bedienfehler beim schließen des Dachs nicht in einem kapitalen Schaden enden. So stellt das Steuergerät fest, ob die Teile der Dachkonstruktion korrekt wieder zusammengesetzt wurden und unterbindet gegebenenfalls den Schließvorgang des elektrischen Faltdachs. Ist zum Beispiel die Dachkassette noch heruntergeklappt, wird der Schiebedachschalter außer Betrieb gesetzt und kann somit keinen unabsichtlichen Entfaltungsversuch des eingesperrten Daches auslösen. Auch die Heckscheibenheizung wird funktionslos wenn das Dach über der Scheibe ruh, die dann ohnehin keinen Durchblick bieten kann.

Die moderne Ente

Doch der C3 Pluriel, der sich mit Citroen C2 und C3 Bodengruppe, Technik und Armaturenbrett teilt, ist neben seinem Verwandlungsreichtum auch noch ein ganz pfiffiger Kleinwagen nachdem sich die Leute wieder umdrehen. Im Gegensatz zum normalen C3 wirkt der C3 Pluriel flacher und gestreckter, ja fast wie ein Coupé, obwohl er geschlossen sogar 4 cm höher ist allerdings auch rund 10 cm länger. In der Vorderansicht zeigt das Design seinen eigenen Charakter mit anderen Scheinwerfern, schmalem Kühlergrill und mächtigen Stoßfängern. In der Seitenansicht fällt das Zweifarben-Schema der Karosserie ins Auge und macht aus dem Pluriel einen modernen Stadtwagen, markant sind auch die schönen Rückleuchten in transparenter Optik.

Im Innenraum finden vier Personen Platz, hinten geht es allerdings bei der Beinfreiheit etwas enger zu als im normalen C3, doch dafür ist reichlich Kopffreiheit vorhanden. Die vorderen Passagiere können sich indes nicht beklagen, Ihnen hat Citroen reichlich Platz beigemessen. Die Sitze mit hübscher Polsterung sind, obwohl etwas schmal ausgefallen, bequem und langstreckentauglich, jedoch ist die Verstellung durch zahlreiches Hebelwerk etwas gewöhnungsbedürftig. Die großzügige Verwendung von Plastik im Innenraum wurde durch gekonnten Einsatz von Farbe wirkungsvoll aufgelockert. So ist nicht nur der Instrumententräger zweifarbig gehalten und die Tür- und Seitenverkleidungen in der frechen orangenen Wagenfarbe lackiert, auch die silbrigen Applikationen werten den Innenraum deutlich auf.

Instrumente wie in alten Citroen-Zeiten

Die Instrumente sind typisch wie in guten alten Citroen-Zeiten, verspielt und schlecht ablesbar. Der digitale Tacho wird von einem Drehzahlmesser im Küchenwaagen-Look umrahmt - man muss den Pluriel einfach gern haben. Toll sind die vielen Ablagemöglichkeiten wie zum Beispiel den Türfächern, in die sogar 1,5 Liter Flaschen hineinpassen. Oder die Netzte hinter den Vordersitzlehnen, in denen Landkarten und Kleinkram untergebracht werden kann. Der Kofferraum fasst im Normalzustand 266 Liter und kann durch umlegen der Rücksitzlehnen zu einer Ladefläche mit 110 cm Länge verwandelt werden. Die stabile Heckklappe, deren Scheibe separat zu öffnen ist, kann zudem mit bis zu 100 kg belastet werden. Bei der Serienausstattung kann auch nicht gemeckert werden. Neben ABS, ESP und ASR besitzt der von uns gefahrene C3 Pluriel Aluräder, Servolenkung, vier elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und vier Airbags. Die ebenfalls serienmäßige Klimaanlage (Automatik gegen Aufpreis) bläst ihre gekühlte Luft über lustige, in sämtliche Richtungen drehbare Lüftungsdüsen aus.

Doch wie fährt sich der Citroen? Die Qual der Wahl bleibt bei der Motorisierung erspart, denn der Pluriel ist nur mit zwei Benzin-Triebwerken lieferbar: Einem 1.4-Liter mit 54 kW/73 PS und der getestete 1.6 16V mit 80 kW/109 PS, der von Haus aus mit dem SensoDrive-Getriebe ausgerüstet ist. Kuppeln und Schalten wird bei dieser Getriebeart von Elektromotoren übernommen. Der Fahrer kann schaltfaul im Automatikmodus fahren oder aber mit den griffgünstigen Lenkradpaddels selbst hoch- und runterschalten. Da würde fast ein wenig Formel 1 Stimmung aufkommen, wenn die Motor-/Getriebekombination nur nicht so entsetzlich träge wäre. Weiß der Pluriel eigentlich was „kickdown“ bedeutet? Besonders auf kurvenreichen Landstraßen ist die SensoDrive per manuellem Eingriff nicht so leicht zu dosieren wie ein herkömmliches Getriebe, manchmal macht der Citroen dabei sogar kleine Hüpfer nach vorn.

Aber Pluriel fahren heißt gleiten und genießen anstatt zu rasen. Die Höchstgeschwindigkeit von 188 km/h nutzt man deshalb nur selten aus, da ansonsten die lauten Windgeräusche unerträglich werden und die Passagiere sich fast schon anschreien müssen. Lässt man es etwas gemächlicher angehen, verwöhnt einem der Citroen mit einem angenehm abgestimmten Fahrwerk, bei dem der Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit überraschend gut gelungen ist. Sauber verarbeitet ist die Karosserie, die dank den zusätzlichen 130 kg Versteifungsmaßnahmen erstaunlich wenig Verwindung zeigt.

Fazit

Der C3 Pluriel ist ein maßgeschneidertes Automobil für Individualisten und zukunftsorientierte Leute, damit knüpft Citroën an die Geschichte der Marke an. Und mit 17.490 Euro für die 1.6 Liter-Version ein echtes Schnäppchen. Die hohe Variabilität macht den pfiffigen Stadtflitzer konkurrenzlos. Auch wenn der Komplettumbau kompliziert ist und es des aufmerksamen Studiums der Betriebsanleitung bedarf, reicht doch oftmals schon der Griff zum Schalter, um das elektrische Faltdach zu öffnen und die Sonnenstrahlen hineinzulassen. Endlich wieder ein echter Citroen, deshalb lieben wir ihn. (dio)

Technische Daten:

Motorbauart/Zylinderanzahl

4-Zylinder Reihenmotor

Hubraum [cm3]

1.587

Leistung [kw/PS] bei U/min

80/109 bei 5.800

Max. Drehmoment [Nm] bei U/min

147 bei 4.000

Antrieb

Frontantrieb

Länge x Breite x Höhe [mm]

3.934 x 1.700 x 1.559 bis 1.563

Radstand [mm]

2.460

Leergewicht / Zuladung [kg]

1.252 / 291

Kofferraum [L]

266

Tankinhalt [L]

47

Höchstgeschwindigkeit [km/h]

188

Beschleunigung 0 - 100 km/h [s]

12,6

Durchschnittsverbrauch [L/100 km]

6,6 Super 95

Grundpreis [Euro]

17.490


Citroen bei www.automobilrevue.de:

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Weitere Informationen zu Citroen finden Sie unter
www.citroen.de

Fotos: Achmad Setiawan + Tobias Reinhard

Citroen C3 Pluriel

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