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Jurassic Park light: Audi Allroad Quattro 2.7 T
Die Erde bebt. Grollender Gewitterdonner, unbarmherziger Regen. Hungrige Schreie jagen durch die Nacht. Hauch von Tod aus dem Dunkel. Ein ausgehungertes Augenpaar, ein meterhoher Körper, blutige Krallen, heranfliegende Zähne, der T. Rex beißt in Richtung Mensch und Maschine ... Das Brückengeländer ächzt, tonnenschwere Pranken verfehlen das Blech, die Brücke kracht, der Audi hängt im Baum - aus der Traum.

Ganz in "Hochlandgrün-Metallic" (Aufpreis 613,55 €/1.200 Mark) weckt der Audi allroad quattro 2.7 T mit wuchtigen Kotflügelverbreiterungen und Seitenschwellern, dem verchromten Unterfahrschutz und dem hohen Aufbau (maximale Bodenfreiheit 20,8 Zentimeter) Assoziationen an amerikanische Saurierfilme, die US-Army und deutsche Forstbehörden.

Trotz eines martialischen Auftritts und Testwagenpreises von 60.332 €/118.000 Mark (Grundpreis 45.505 €/ 89.000 Mark) sind die Gene des allroad quattro 2,7 T die Gene des A6 Avant. Ein ähnliches Cockpit, genügend Raum für Passagiere und Gepäck (maximales Stauvolumen 1.500 Liter, mögliche Zuladung 555 Kilo). Aufgeräumt, sachlich, kühl. Gute, eher straff gepolsterte Sitze mit ordentlicher Seitenführung. Praktisch die Fächer mit Klappe in den Türen, die Niveauregulierung, die weit nach oben öffnende Heckklappe.

Die Bedienung macht keine Mühen, einige wenige Details aber Unmut: Die fitzeligen Cupholder, die nervöse Verbrauchsanzeige (Messintervalle zu kurz), das Notrad. Auch über die roten Digitalanzeigen lässt sich bei tiefstehender Sonne von hinten vortrefflich streiten. Über die Qualitäten der Luftfederung kaum - der allroad federt wie ein hochwertiger Laufschuh.

Kaum vernehmlich pumpt sich der Audi bis zu 66 Millimeter nach oben. Die Reglung des Höhenniveaus erfolgt automatisch oder manuell. Zwei Tasten im Armaturenträger, oberhalb der Mittelkonsole, ermöglichen dem Fahrer individuelle Eingriffe per Tastendruck. Elektronische Begrenzer verhindern, dass der Fahrer, etwa bei schneller Fahrt, versehentlich eine zu hohe Bodenfreiheit einstellt.

Das Tiefniveau, gedacht für Geschwindigkeiten oberhalb von 120 km/h bietet mit einer offroader-atypischen Neutralität, erstaunlicher Kurvengier und etwas herbem Komfort die Qualitäten eines Sportfahrwerks. Im um 2,5 Zentimeter höher liegenden Normalniveau werden Querfugen, weil von der formidabelen Luftfederung unerbittlich weggefedert, nur noch zur Kenntnis genommen. Mit dem Wachstum von 2,5 Zentimeter auf Hochniveau 3, zu dem sich der allroad beim Parken automatisch erhebt, und auf das auf 35 km/h limitierte Höchstniveau, das die Geländeambitionen des allroad mit weiteren 1,6 Zentimetern Hub manifestiert, wächst auch der Komfort. Der für das leichte Gelände erdachte Audi-Lift, bringt auf der Straße - den Gesetzen der Physik folgend - merkliche Aufbaubewegungen der Karosserie und das Einnicken beim Verzögern mit sich.

Mit seinem gnadenvollen Grenzbereich weckt das Fahrwerk, genauso wie die Bremsanlage mit festem, wohldefiniertem Druckpunkt Vertrauen. Ähnliche Gefühle vermittelt die angenehm direkte, nicht zu leichtgängige Servolenkung. Viel Wohlgefühl bereitet auch die sanftmütige 5-Gang-Automatik im Zusammenspiel mit dem 2,7 Liter großen V6-Motor. Der betört mit kultivierter Laufruhe, Vibrationsfreiheit, spontaner Gasannahme, seidigem Hochdrehen aus niederen Drehzahlen und einer für ein Turbotriebwerk verblüffend harmonischen Leistungsentfaltung. Gleich zwei Turbolader pfeifen wie Oberförster Maier nach dem Dackel. Haben die 184 kW/250 PS freien Lauf, sind Antritt und Spurt des 1,9-Tonners vehement. Der allroad 2.7 T beschleunigt, wie selten ein Offroader zuvor, in 7,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und läuft 234 km/h.

Diese Souveränität der Antriebseinheit, die bis zu 350 Newtonmeter bei 1800 Rotationen der Kurbelwelle an die vier Räder schickt, macht ruhig. Den Verbrauchswerten gelingt dies zeitweise auch: Bis zu 18 Liter - trostvoll: nur Super - flossen alle 100 Kilometer aus dem 70 Liter-Tank. Im ruhig gefahrenen Testschnitt waren es 12,9 Liter. Im Minimum knapp unter 10 Liter.

In Anbetracht des Leistungspotentials und des hohen Aufbaus nicht zuviel, aber eben auch kein vortreffliches Statement zum Umweltschutz. Der ebenso lieferbare, so spritzige wie genügsame 180 PS-TDI steht hier im größeren Einklang mit Ökonomie und Ökologie. Letzter Trost für stolze Besitzer eines Audi allroad quattro 2,7 T: Auch die Saurier starben nicht aus, weil sie zuviel fraßen.

Ein Gastbeitrag von Lothar Erfert

Fotos: L. Erfert

Audi Allroad Quattro 2.7 T

Audi Allroad Quattro 2.7 T

Audi Allroad Quattro 2.7 T

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