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Bayerns Reformkurs
BMW 530d

Mit dem neuen 5er BMW stehen die Münchener Autobauer wieder einmal mehr im Rampenlicht. Ausgefallenes Styling verbunden mit zahlreichen Hightech Features. Wer nicht gleich von BMW-Reformdesigner Chris Bangel’s Handschrift überzeugt ist, den sollen zumindest die technischen Innovationen der dynamischen Limousine für sich gewinnen. Das Team von www.automobilrevue.de über den Fortschritt der Reform.

Herausforderndes Design, Innovationen und viel Fahrspaß. Das alles vereint der neue 5er
BMW, dessen Design ähnlich wie schon beim 7er einmal mehr eine Debatte auslöste, die viele Leserbriefseiten in den einschlägigen Fachmagazinen füllte. Unübersehbar ist der Mut der Entwickler und Designer, die Formensprache von BMW neu zu interpretieren und in das 21. Jahrhundert zu übertragen. Die kraftvolle Front wirkt unverwechselbar und die geschwungenen Leuchteinheiten mit den für BMW so typischen Doppelscheinwerfern bestechen durch ihre Brillanz.

Heckdesign wie ein Erlkönig


Die Seitensilhouette ist sehr weit nach oben gezogen und mit einer von vorn bis hinten durchreichenden markanten Blechsicke versehen. Das wuchtige Heck wirkt allerdings immer noch, als hätten sie vergessen, die Tarnummantelung vom Erlkönig zu entfernen. Der Heckabschluss will sich trotz der schönen LED-Rückleuchten einfach nicht so recht harmonisch in das Gesamtbild einfügen.

Im Innenraum herrscht ein hochwertiges und kühles Ambiente. Auch wenn der Material-Mix stimmig ist, verstärkt das graue Leder den eher tristen Eindruck noch etwas. Die Abkehr von BMW vom fahrerorientierten Kanzelcockpit hin zum weitläufigen, horizontal unterteilten Armaturenbrett lässt die Frage aufkeimen, wo denn hier der Fortschritt geblieben ist.

Die neu gestalteten Instrumente sind schön anzuschauen und prima abzulesen. Ebenso der Farbmonitor, der unter einer zweiten Hutze steckt. Die wichtigsten Grundfunktionen (Klima, Radio, Sitzheizung, Einparkhilfe und DSC/ESP) besitzen eigene Knöpfe, alles Andere wird über den nun entschlankten und überarbeiteten iDrive-Controller angesteuert, der im Gegensatz zum 7er nur noch in vier Himmelsrichtungen zu bewegen ist und dafür mit einer Escape-Taste versehen ist, die sich im Test bereits hervorragend bewährt hat. Die einzelnen Menüs sind farblich unterschiedlich gestaltet und daher einfach von einander zu unterscheiden.

Für Verwirrung sorgt hingegen das hoffnungslos überfrachtete Multifunktionslenkrad mit seinen vielzähligen Funktionen, mit denen BMW über das Ziel hinausgeschossen ist. Auch passiert es leider immer noch, das anstatt des Blinkerhebels der griffgünstigere und darunter liegende Tempomat betätigt wird. Im Blinker scheint in der Tat der Teufel im Detail zu stecken. Da dieser im neuen 5er rein elektronisch ist und es kein mechanisches Einrasten mehr gibt, muss zum manuellen Abschalten leicht in die Gegenrichtung gedrückt werden – nicht zuviel, sonst blinkt die andere Seite. Obwohl es auch eine 3mal-Blinkautomatik gibt kann es passieren, dass beim Abschalten des linken Blinkers der rechte aktiviert wird und nachfolgende Autofahrer einen wahrscheinlich für besoffen halten.

Die Limousine ist spürbar größer und geräumiger als das Vorgängermodell und auch im topfebenen Kofferraum gibt es mit 520 Litern deutlich mehr Platz. Großgewachsene Personen ist der Längsverstellbereich der Vordersitze aber immer noch nicht ausreichend genug. Doch die Sitze selbst sind sehr bequem und bieten auch bei sportlicher Fahrweise guten Seitenhalt. Die Fondpassagiere dürfen sich ebenfalls über langstreckentauglichen Komfort freuen, zumindest dann, wenn hinten nur zwei Insassen unterzubringen sind. Der mittlere Platz wird durch die stark ausgeprägte Profilierung zum Schwiegermuttersitz degradiert.

Die Grundausstattung des 530d ist weitgehend komplett und lässt dennoch aufgrund der umfangreichen Sonderausstattungsliste eine Vielzahl von weiteren Wünschen aufkommen, was am Beispiel des Testwagens, der mit Extras im Wert von rund 23.000 € ausgestattet war, auch hervorragend demonstriert wurde. Zu den aufpreispflichtigen Optionen zählt beispielsweise die neuentwickelte Aktivlenkung, die für eine variable Lenkübersetzung je nach Geschwindigkeit verantwortlich ist. So genügen beim Rangieren beispielsweise zwei Lenkradumdrehungen, bei höheren Geschwindigkeiten wird die Lenkung dann zunehmend indirekter. Die BMW-Ingenieure griffen hierzu tief in die Trickkiste: Mit Hilfe eines zusätzlichen, elektrisch gesteuerten Lenkgetriebes an der Lenksäule wird zum tatsächlichen Lenkwinkel, den das Lenkrad vorgibt, ein weiterer Lenkwinkel addiert. So wird, je nach Tempo und sonstigen Fahrbedingungen, mal mehr, mal weniger Lenkarbeit notwendig. Bei Seitenwind oder im Grenzbereich korrigiert das System sogar vom Fahrer unbemerkt den Lenkwinkel selbsttätig. Der Aufpreis von 1.200 € ist für die Aktivlenkung wirklich gut angelegt.

Das bereits beim Vorgängermodell perfekt abgestimmte Vollaluminium-Fahrwerk lässt sich durch den Einsatz von aktiven Systemen noch weiter steigern. Neben der Weltneuheit Aktivlenkung bietet BMW mit der aktiven Wankstabilisierung „Dynamic Drive“ (2.300 €) ein Optimum zwischen Komfort und Sportlichkeit. Die Abstimmung der Federung macht den 5er zum König der Landstraße unter den großen Limousinen und äußerst handlich. Flottes Kurvenfahren gehört daher zu seinen Lieblingsaufgaben.

Bremsen wie ein Anker


Vorbildlich ist die aktive und passive Sicherheit des 530d. Acht Airbags und das von Elektronik kontrollierte Fahrwerk sorgen für Vertrauen in den eigenwilligen Bayern. Die eindrucksvollen Bremsen packen schonungslos zu und vermitteln ein Gefühl, als würde irgendwo noch zusätzlich ein Anker ausgeworfen.

Das aufpreispflichtige Head-Up Display (1.300 €) – ebenso ein Novum in der Automobiltechnik und bislang nur in militärischen Kampflugzeugen eingesetzt – projiziert dem Fahrer eine Vielzahl an fahrrelevanten Informationen auf die Windschutzscheibe wie z.B. Navigation, Geschwindigkeitsregelung und Bordcomputerinformationen, so das der Blick nach vorn gerichtet bleiben kann. Ebenso nur gegen Aufpreis erhältlich sind die Bi-Xenonscheinwerfer (900 €) sowie das adaptive Kurvenlicht (400 €). Besonders auf kurvenreichen Gebirgsstraßen – wie unsere Testfahrten zeigten – ist das Kurvenlicht nicht nur ein Technikschmankerl sondern erhöht auch die aktive Sicherheit. Obwohl der 5er extrem Wendig ist empfiehlt sich fürs Einparken die optische und akustische Park Distance Control (750 €), da die große Limousine vorn und hinten überhaupt nicht einsehbar ist und die wuchtigen Stoßleisten sonst leicht hässliche Kratzer im Lack davontragen könnten.

Das "d“ merkt man nicht, außer an der Zapfsäule

Der 530d mit 160 kW/218 PS wird vom neuen Dieselaggregat mit Common Rail der 2. Generation angetrieben. Seine hohe Laufkultur überrascht selbst notorische Verfechter von Ottomotoren. Nur im Kaltstart vibriert der Sechszylinder deutlich doch sobald die Betriebstemperatur erreicht ist, muss man schon ganz genau hinhören, um den Treibsatz als Diesel zu identifizieren. In höheren Geschwindigkeitsbereichen tritt das Laufgeräusch dann gänzlich hinter die dezenten Windgeräusche zurück. Die mit 500 Nm gewaltige Elastizität unterstreicht den BMW-Slogan „Freude am Fahren“ und macht Überholmanöver und Zwischensprints zu seinen leichtesten Übungen. Mit viel Schmackes geht es bereits bei niedrigen Drehzahlen mächtig zur Sache, Kraft ist stets im Überfluss vorhanden. Turboloch oder Anfahrschwäche? Fehlanzeige. Die Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h spricht Bände für einen Diesel und beim durchdrücken des Gaspedals wird man regelrecht in die Sitze gepresst.

Überzeugend ist auch die serienmäßige Sechsgangschaltung, die durch kurze Schaltwege und hoher Präzision auf sich aufmerksam macht. Doch würde zur Charakteristik des bulligen Diesels das Sechsgang-Automatikgetriebe (2.000 €) noch besser passen. Obwohl die neue Limousine spürbar geräumiger als sein Vorgänger geriet, schaffte BMW das Kunststück, ihn bis zu 75 kg leichter zu machen. Möglich wurde dies unter anderem durch den gewichtsreduzierenden Aluminium-Vorderbau, der in der Verbundkonstruktion mit der übrigen Rohkarosserie aus Stahl einen richtungsweisenden Schritt im Karosseriebau darstellt. In der Praxis profitiert davon nicht nur das Fahrverhalten sondern auch der Kraftstoffverbrauch. Mit einem Drittelmix von nur 6,9 Liter/100 km (Werksangabe) geht der 5er äußerst geizig mit dem kostbaren Gut um.

Fazit

Der neue 5er ist eine dynamische Reiselimousine, der es weder an Komfort noch an Sportlichkeit mangelt. Die Kombination mit dem Dreiliter Diesel stellt ein Dreamteam dar und überzeugt durch hohe Fahrleistungen mit niedrigem Verbrauch. Das üppige Drehmoment sorgt für überlegene Beschleunigungsmanöver und vom Dieselcharakter ist bis auf das Kaltstartnageln fast nichts mehr zu spüren, lediglich die seltenen Tankstops fallen positiv auf und belasten das Budget nur in Maßen. Dies ist jedoch auch zwingend notwendig, denn mit einem Einstandspreis von 41.650 € für den 530d dürfte bei vielen die Schmerzgrenze überschritten sein.
(dio)

Technische Daten:
(Werksangaben)

Motorbauart/Zylinderanzahl

6-Zylinder Reihenmotor

Hubraum [cm3]

2.993

Leistung [kw/PS] bei U/min

160/218 bei 4.000

Max. Drehmoment [Nm] bei U/min

500 bei 2.000

Antrieb

Heckantrieb

Länge x Breite x Höhe [mm]

4.841 x 1.846 x 1.468

Radstand [mm]

2.888

Leergewicht / Zuladung [kg]

1.670 / 560

Kofferraum [L]

520

Tankinhalt [L]

70

Höchstgeschwindigkeit [km/h]

245

Beschleunigung 0 - 100 km/h [s]

7,1

Durchschnittsverbrauch [L/100 km]

6,9 Diesel

Grundpreis [Euro]

41.650


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Weitere Informationen zu BMW finden Sie unter www.bmw.de

Fotos: Achmad Setiawan

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