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Italiens neuer Sympathieträger

Fiat Panda Weltpremiere in Lissabon

23 Jahre ist es her, als der erste Panda vom Band lief und mit dem
Fiat ein Stück Automobilgeschichte schrieb. Immerhin erinnern sich in Italien fast 90 Prozent der Befragten an die „tolle Kiste“, deren Werbeslogan aus den Achtzigern zum Synonym für eine unverwechselbare Lebensart stand, die direkter, lockerer, einfacher und vor allem frecher als alles Andere war. Back to the roots heißt es deshalb aus der Turiner Konzernzentrale wo man rund 560 Mio Euro in den Nachfolger investierte, welcher auf dem Genfer Salon im Frühjahr noch als Gingo vorgestellt wurde und nach einem Streit mit Renault kurzfristig in Panda umbenannt werden musste.

Eine Woche vor der IAA lud Fiat zur Vorstellung des serienreifen Pandas die internationale Fachpresse nach Lissabon ein und zelebrierte dessen Weltpremiere mit immensen Aufwand. Reichlich 30 Mio Euro lassen sich die Italiener die Markteinführung des neuen City Cars kosten, das ab September in den wichtigsten europäischen Ländern zeitgleich eingeführt wird.

Doch mit dem Ur-Panda hat der Neue bis auf die Namensgleichheit kaum noch etwas gemeinsam. Sein Design, welches unter Mitwirkung von Bertone entstand, beweist Eigenständigkeit mit hohem Wiedererkennungswert und besitzt ein unverkennbares Profil. Die Kastenform suggeriert Solidität und Robustheit und macht aus dem neuen Panda einen Mini-SUV, der mit 1,54 Meter fast so hoch wie breit (1,58 m) ist. Beachtlich ist sein großzügiges Raumangebot, das sich im Vergleich zum Vorgänger in einer anderen Dimension bewegt. Immerhin ist er in der Länge um 90 mm, in der Breite um 130 mm und in der Höhe um 100 mm gewachsen und somit endlich erwachsen geworden. Vier Personen haben nun ausreichend Platz und sind ordentlich aufgehoben.

Dank der längs verstellbaren Rücksitzbank kann das Raumangebot je nach Bedarf entweder zugunsten eines höheren Kofferraumvolumens oder größerer Beinfreiheit für die Fondpassagiere variiert werden. Klappt man die Rücksitzlehnen ganz um, vergrößert sich der Kofferraum von 206 Liter auf bis zu 775 Liter. Allerdings entsteht dann ein störender Niveauunterschied, der die Variabilität im Vergleich zur Konkurrenz wieder etwas einschränkt.

Die großen Scheibenflächen und die hohe Sitzposition erlauben eine ausgezeichnete Rundumsicht und prädestinieren das neue Modell geradezu für den Einsatz im dichten Stadtverkehr. Sein kleiner Wendekreis von nur 9,10 Meter erlaubt eine hohe Wendigkeit des 3,54 Meter kurzen Winzlings.

Im ansprechend gestylten Interieur gefallen die gute Übersichtlichkeit und hohe Funktionalität. Der Schalthebel liegt in griffgünstiger Position in der Mitte des Instrumententrägers und flutscht leichtgängig und präzise durch die Schaltkulisse. Weniger schön ist allerdings die hautunsympathische Gummibeschichtung des Schaltknaufs, die uns an die alten Fiat Croma Zeiten erinnern lässt. Zahlreiche Ablagen nehmen kleinere und größere Utensilien auf, in das tiefe Handschuhfach versinkt sogar problemlos ein Autoatlas. Lediglich die zu weichen Sitze, in die das Hinterteil regelrecht einsinkt, missfielen bei ersten Testfahrten rund um Lissabon.

Das die 80er wieder groß angesagt sind, ist auch bei den Innen- und Außenfarben in teils schreienden Farbtönen nur unschwer zu erkennen. Zur Markteinführung stehen zunächst zwei Benzin- und ein Dieselaggregat zur Verfügung. Die Basis bildet ein 1,1-Liter 8V-Motor mit 40 kW/54 PS gefolgt von einem 1,2-Liter 8V mit 44 kW/60 PS. Dritter im Bunde ist ein neuentwickelter Common-Rail-Dieselmotor, der 1,3 16V Multijet mit 51 kW/70 PS, der ab Januar 2004 eingeführt wird. Mit 145 Nm maximal Drehmoment und einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h ist der Dieselantrieb erste Wahl, zumal sein Verbrauch im Drittelmix mit 4,3 Litern (Werksangabe) äußerst bescheiden ist.

Das den Neuen ein Vierteljahrhundert Konstruktionsgeschichte vom Ur-Panda trennen, macht sich auch im Kapitel Sicherheit bemerkbar. Bereits in der Grundausstattung sind vier Airbags, Gurtstraffer und ISOFIX-Kindersitz-Anschlüsse serienmäßig. Optional sind Kopfairbags, ABS und ESP lieferbar. In Deutschland wird der neue Panda in vier Ausstattungsvarianten angeboten werden: Basis 1.1 8V ab 8.290 Euro, Active 1.1 8V ab 8.850 Euro, Dynamik 1.2 8V ab 9.450 Euro und Emotion 1.2 8V ab 11.450 Euro. Den 1.3 JTD 16V wird es in der Dynamik-Version ab 11.250 Euro geben.

Doch ob der Neue das Zeug zum Millionen-Bestseller hat, ist fraglich. Die 4,5 Mio verkauften Exemplare der ersten Panda-Generation stellen eine unerreichbare Messlatte dar. In guten Jahren wurden vom Panda bis zu 500.000 Wagen jährlich hergestellt. Selbst Fiat hält sich mit den Absatzprognosen bescheiden zurück. Man rechnet in 2004 mit nur 200.000 Verkäufen, obwohl die im polnischen Tichy gelegene Fabrik für eine Jahreskapazität von 300.000 Einheiten ausgelegt und somit nur zu Zweidrittel ausgelastet sein wird.

Aber schon im nächsten Jahr soll ein dreitüriger Panda folgen und eine 4x4-Version nachgeschoben werden. Und die in Genf gezeigte schrullige SUV-Studie Simba wird den Markt der Superkompakt-Cars, von denen im vergangenen Jahr europaweit 1,4 Millionen Fahrzeuge abgesetzt wurden, ebenfalls neu aufmischen. Die Achtziger sind zurück und wir freuen uns darauf.
(dio)

Fiat bei www.automobilrevue.de:
Fiat Multipla 1.9 JTD
Fiat Stilo Multiwagon
Fiat Ulysee

Weitere Informationen zu Fiat erhalten Sie unter
www.fiat.de

Fotos: D. Oelschläger

Fiat Panda

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