Salon international de l’Automobile Genéve 2004

Der alljährlich stattfindende Autosalon in Genf durfte auch dieses Frühjahr wieder als vielbeachtete Showbühne für zahlreiche Weltpremieren herhalten. Dies ist umso bemerkenswerter, da die Schweiz über keine eigene nennenswerte Autoproduktion verfügt. Neben den Großserienhersteller nutzen auch viele „Exoten“ und Designer regelmäßig die Frühjahrsmesse am Lac Leman und setzen der Ausstellung das Sahnehäubchen auf, das Genf so liebenswert macht. Unser Bericht widmet sich daher in erster Linie den originellsten Concept-Cars und skurrilsten Fahrzeugen. Viel Spaß.

Der italienische Karosseriebauer und Stylist Bertone überraschte mit der Jet2 getauften Studie eines 2+2 sitzigen Kombi-Coupé auf Basis des Aston Martin Vanquish, dessen Aussichten auf Serienfertigung jedoch gleich Null sind. Während die Frontpartie noch eindeutig als Aston Martin zu identifizieren ist, gleicht der Rest des Prototypen einem sehr gewagten Experiment.

Jet2Jet2

Daihatsu zeigte mit dem D-Bone einen dynamischen offenen allradgetriebenen kompakten Sportwagen, bei dem die für einen Buggy typischen Eigenschaften mit dem atemberaubenden Fahrvergnügen eines Sportwagens verbunden werden. Das „D“ im Namen steht dabei für Dynamik und „Bone“ (Knochen) bezeichnet das abenteuerliche Skelettdesign.

D-BoneD-Bone

Die erfolgreichste Sportwagenschmiede der Welt Ferrari verursachte in den schmalen Gängen regelmäßige Besucherstaus, zu allem Unglück platzierte man gleich nebenan den nicht minder aufregenden Stand der Tochter Maserati. Feuchte Augen bekamen große wie auch kleine Besucher durch den Auftritt eines großen V12 GT Coupés, dem 612 Scaglietti, der in Genf seine Weltpremiere feiern durfte. Altmeister Pininfarina ließ auch bei seinem neuesten Entwurf keine Zweifel an seinem Können aufkommen und zeichnete traditionell für das Karosseriedesign verantwortlich. Das Coupé mit der nicht enden wollenden Motorhaube und dem knackigen Heck besticht besonders durch die Kombination von scharfen Kanten mit weichen Wölbungen

612 Scaglietti612 Scaglietti

Schuster bleib bei Deinen Leisten muss sich die Ferrari-Mutter Fiat gedacht haben und setzte mit der Retro-Studie Trepiuno auf die Reinkarnation des legendären Fiat 500 der frühen 70er Jahre. Die attraktiven Modells an der Seite des Winzlings hatten keine Chance um neben der liebenswerten Knutschkugel zu bestehen. Unser Appell an die Italiener: Baut diesen Wagen in Serie und zwar so schnell wie möglich.

TrepiunoTrepiuno

Auf Basis des vor kurzem eingeführten Microvans Idea leitete Fiat das Derivat Idea 5 Terre ab. Der Prototype ist zwar nicht für schweres Gelände geeignet, doch dürfte er sowohl im Großstadtdschungel von Rom als auch in Berlin eine gute Figur machen. Die höher gelegte Karosserie garantiert einen guten Ausblick und die robusten Kunststoffplanken an den Seiten verzeihen so manche Berührung mit seinen vierrädrigen Artgenossen.

Idea 5 TerreIdea 5 Terre

Der Genfer Autosalon ist traditionell die Plattform der italienischen Designschmieden. So nutze Fioravanti die Messe um sein Know-how mit der Studie KITE zu demonstrieren. Die Studie besticht durch fließende Linien und einem harmonischen Übergang des Daches in die Heckpartie, wobei die Rückleuchten besonders markant in die C-Säule integriert sind. Auffällig ist auch das nicht enden wollende Scheinwerferband, das entgegen des allgemeinen Trend zu immer größeren Scheinwerfern äußerst schmal gehalten wurde und von der Stoßleiste bis fast zur Frontscheibe reicht.

KITEKITE

Ziemlich futuristisch mutete die spanische Studie eines Supersportwagens an. Der Fuore Black Jag besitzt ein V10-Triebwerk von Jaguar und leistet 640 PS. Der Mittelmotor-Renner gefällt in seinen harmonischen Proportionen, wobei der eigenwillig geformte Kühlergrill jedoch nicht so recht passen will. Ein Schmuckstück ist der reizvolle Innenraum, der über seitlich angeschlagene Flügeltüren zu erreichen ist.

Black JagBlack Jag

Honda tarnte den bereits bis zur Serienreife entwickelten NSX-Nachfolger noch als Concept-Car HSC. Die flache Japanflunder geizt nicht mit ihren Reizen und zeigt aus allen Perspektiven ihr hohes Leistungspotenzial. Bereits von vorne schindet der HSC unglaublich Eindruck und wartet mit zahlreichen optischen Anleihen aus der F1 auf. Reinrassig ist auch die Heckpartie mit Diffusor und scharfer Abrisskante.

HSCHSC

Die Studie IMAS verkörpert hingegen so ziemlich genau das andere Ende der Fahnenstange und zeigt Hondas Kompetenz in Sachen Hybrid-Technologie auf. Die bis zum äußersten strömungsoptimierte Karosserie gefällt durch ihre Schlitzaugenförmigen Doppel-Scheinwerfer, kann aber sonst unter ästhetischen Gesichtspunkten nicht großartig punkten.

IMASIMAS

Der Koreanische Hersteller Hyundai zeigte in Genf das Concept eines SUV mit hinten angeschlagenen Türen. Da die Studie ohne störende B-Säule auskommt, ist der Innenraum besonders gut zu erreichen. Originell ist der praktische Fahrradträger, der bei nicht Gebrauch einfach wie eine Schublade in das Heck reingeschoben wird. Entwickelt wurde der E3 im europäischen Designcenter in Rüsselsheim.

E3E3

Italdesign, die berühmte Firma von Italiens Stardesigner Giugiaro, stellte mit dem Toyota Alessandro Volta – benannt nach dem italienischen Erfinder der Batterie - das Modell eines dreisitzigen Mittelmotor-Sportwagens vor. Der Flügeltüren-Sportler besitzt den Hybridantrieb des japanischen Geländewagens Lexus RX 400h und leistet mit einem 3,3-Liter V6-Benziner und zwei Elektromotoren 408 PS. Obwohl die Batterien alleine 70 kg auf die Waage bringen wiegt die allradangetriebene Studie nur 1.250 kg. Damit soll die nur 114 cm niedrige Flunder in lediglich 4 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und wird bei 250 km/h abgeregelt.

Alessandro VoltaAlessandro Volta

Der marokkanische Multimillionär und Ferrari-Fan Laraki zeigte bereits zum zweiten mal seine Vorstellung eines Supersportwagens auf Ferrari-Basis. Während die Flügeltüren a la Lamborghini noch zu überzeugen wissen, wirkt das Design des Fulgura künstlich aufgeblasen und eher mollig als sportlich-schlank. Aber auch aufgrund seines horrenden Preises dürfte der Exot ein solcher bleiben.

LarakiLaraki

Nicht kleckern sondern klotzen hieß die Devise bei der Ferrari-Tochter Maserati. Die Italiener möchten mit dem MC12 wieder um Rennsiege in internationalen Meisterschaften kämpfen und zeigten parallel dazu gleich eine straßentaugliche Zivilversion. Die Basis für den GT-Renner bildet der Ferrari Enzo. Von ihm ist auch das 6,0 Liter Zwölfzylinder-Triebwerk, bei 630 PS stehen maximal 652 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung. Der knapp über fünf Meter lange und rund 1330 Kilogramm schwere Supersportwagen soll damit in 3,8 Sekunden von Null auf 100 km/h beschleunigen, die Höchstgeschwindigkeit liegt jenseits der 330 km/h. Wer jetzt ernsthaft überlegt, den Maserati MC 12 zu kaufen, der braucht Geduld: Die erste Auflage, die noch in diesem Sommer auf den Markt kommt, ist komplett ausverkauft, eine zweite Auflage erst in Planung.

MC12MC12

Auf dem Stand der spanischen engineering Firma Mazel Group konnten Besucher die Studie "Granturismo Lancia" bewundern. Dabei ließ sich das Designteam bei der Konzeption dieses Prototyps vom Lancia Beta HPE (High Performance Estate) der siebziger Jahre inspirieren. Der 4,24 m lange, 1,83 m breite und 1,47 m hohe Karosserieaufbau des "Granturismo Stilnovo" soll in seinen Details jedoch auch die Formensprache anderer Lancia-Modelle aus den 50er und 60er Jahren reinterpretieren. Prägende Merkmale sind der von den Scheinwerfereinheiten getrennte Kühlergrill, das große Glasdach und die vertikal ausgerichteten Heckleuchten. Dies sind Leitmotive des neuen Lancia Designs, die sich unter anderem am neuen Lancia Ypsilon finden und die auch die zukünftigen Lancia Modelle kennzeichnen werden.

Granturismo LanciaGranturismo Lancia

MG Rover bringt sein spektakuläres Sportwagenprojekt auf den Markt. Vor einem Jahr zeigten die Britten den XPower auf der Birmingham Motorshow. Damals waren Beobachter geneigt, in dem Sportler mit der kantigen Kohlefaser-Karosse allenfalls ein utopisches Concept Car zu sehen. Aber seit Anfang November ist das Fahrzeug in England tatsächlich zu kaufen. Laut Hersteller liegen bereits 57 verbindliche Bestellungen und 40 Händlerorders vor. Der 4,6-Liter V8 entstammt dem Ford Mustang und leistet im XPower 320 PS. Er soll den nur 1400 Kilogramm schweren Zweisitzer in 5,4 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen und eine Höchstgeschwindigkeit von 265 km/h ermöglichen. In Planung ist eine weitere „X-Power“-Version des SV mit rund 420 PS. Ebenfalls in Vorbereitung ist eine weitere Ausbaustufe mit 465 PS – vorerst allerdings nur für den Motorsport.

X-PowerX-Power

Als erste Fingerübung des 2003 gegründeten europäischen Designzentrums in London präsentiert Nissan das Konzeptfahrzeug Qashqai. Der klassisch und schnörkellos geschnittene Viertürer peilt die noch wenig besetzte Nische der Crossover zwischen Van und Allrader an und würde dort etwa auf den Mitsubishi Outlander treffen. Die hinteren Türen öffnen gegenläufig und machen so den Verzicht auf eine B-Säule möglich. Die Bezeichnung Qashqai wird den Weg der Studie zur Serienreife sicher nicht überleben: Der Name eines iranischen Nomadenstammes klingt für europäische Ohren doch ziemlich verquast.

QashqaiQashqai

TRIXX heißt das Konzept eines Kleinstwagens von Opel, der auf eine Heckklappe verzichtet dafür aber mit insgesamt drei Türen an den beiden Seiten aufwartet -eine Mischung aus konventioneller und Schiebe-Tür mit elektrischem Antrieb. Zwei davon gibt es auf der Beifahrerseite, eine auf der Fahrerseite. Platz bietet der TRIXX für bis zu vier Personen, wobei die vierte ein Kind sein sollte. Das nimmt auf einem aus der Rückwand hinter dem Fahrer aufklappbaren Sitz Platz. Daneben haben die Rüsselsheimer einen per Kompressor in Sekundenschnelle aufblasbaren Sitz positioniert, der für die dritte Person gedacht ist. Weiterer Clou: Eine Heckklappe gibt es nicht, dafür lässt sich aber die Rückscheibe versenken. Im Zusammenspiel mit der nach vorne verschiebbaren hinteren Hälfte des Glasdachs entsteht quasi ein Mini-PickUp, der dann bis zu 1,40 Meter lange und 96 Zentimeter breite Gegenstände aufzunehmen vermag. Und das ist noch immer nicht alles: Ein wie eine Schublade herausziehbarer Heckgepäckträger dient zum Transport schwerer oder schmutziger Lasten.

TRIXXTRIXX

Horacio Pagani hat seinem Zonda das Blechverdeck abgenommen und vierzig Roadster-Fans in euphorische Stimmung versetzt. Die Insekten-Augen bleiben unverändert. Erst die Profilansicht macht den positiven Mangel offensichtlich und gewährt, wenn auch nur kurz, einen Blick auf die Besatzung. Ein Einblick in das Innenleben eines der schnellsten Cockpits wird erst beim Roadster zur einfachen Übung. Die spartanische Anmutung wird vorausgesetzt, immerhin ist der Zonda den Gruppe-C-Boliden nachempfunden.

ZondaZonda

Der Range Stormer ist eine sportliche und leistungsstarke SUV-Studie, mit der Land Rover die künftige Designrichtung vorzeichnen möchte. Die Studie gibt auch einen ersten Ausblick auf ein neues Serienmodell, mit dem sich das Unternehmen ein neues Marktsegment erschließen will. Das neue Modell wird die bereits bestehenden Modellreihen ergänzen.

Range StormerRange Stormer

Rolls Royce präsentiert den "100EX", wobei 100 das anstehende Firmenjubiläum kennzeichnet, das im Mai gefeiert wird, und "EX" die klassische Abkürzung für "Experimental Car" darstellt. Gedacht ist der 100EX als Einzelstück, das die Briten auf einer Reihe von Veranstaltungen im Jubiläumsjahr zeigen wollen. An eine Serienproduktion sei nicht gedacht - aber bekanntlich soll man ja nie nie sagen. Unter der mächtigen Haube werkelt ein technisches Meisterstück: Nicht weniger als 16 Zylinder und 64 Ventile zählt das Triebwerk, der Hubraum beträgt neun Liter und begibt sich damit geradezu in Lkw-Dimensionen. Die Leistung? Hier bleibt Rolls Royce dem alten Grundsatz treu: "Ausreichend" verlautet dazu vom neuen Firmensitz in Goodwood.

100EX100EX

Auf keinem Genfer Salon darf auch Franco Sbarro mit einer extravaganten Design-Studie fehlen. Der Altmeister des provokativen Autodesigns sorgt auch dieses Jahr mit Aufsehen erregenden Karosserie-Kreationen für Furore. Jede ist und bleibt ein Einzelstück. Blickfang Nummer eins ist der SB 1 Tornado - ein extrem gestylter Roadster auf Basis des Ferrari 550 Maranello, der mit einer Kunststoffkarosserie und variablen aerodynamischen Anbauteilen aufwartet.

SB 1 TornadoSB 1 Tornado

Mit dem B9 Scrambler stellt Subaru die Studie eines klassisch gezeichneten Roadsters vor. Optisch trägt der 1,88 Meter breite und nur 1,26 Meter hohe B9 das neue von Chefdesigner Andreas Zapatinas gezeichnete Familiengesicht. Zusammen mit den extrem kurzen Überhängen vorn und hinten verleihen die 19 Zoll großen Leichtmetallfelgen dem Scrambler ein bulliges Auftreten. Technisches Highlight ist zudem ein in der Höhe verstellbares Fahrwerk. Als technische Basis dient dem Scrambler der Impreza, von dem der Zweisitzer auch den permanenten Allradantrieb übernimmt.

B9B9

Der Suzuki Landbreeze besteht aus recyclebaren Materialien und besitzt einen Hybrid-Motor, der vor allem für Kurz-und Mittelstrecken konzipiert wurde. Seine leichte Karosserie trägt einen großen Beitrag zum Einsparen von Treibstoff bei. Mit einer Länge von 3,5 Metern bietet er genug Platz für vier Personen.

LandbreezeLandbreeze

Der Suzuki S-RIDE ist ein kleiner Stadtflitzer der den Fahrspaß eines Motorrads mit den Annehmlichkeiten eines Autos verbindet. Der Beifahrer nimmt dabei in Tandem Manier hinter dem Fahrer Platz. Das Tachometer des S-RIDE gibt nicht nur die Geschwindigkeit aus, sondern dient gleichzeitig als Monitor des Navigationssystems.

S-RIDES-RIDE

Die Ansprüche der jungen Generation erfüllen will Toyota mit der Studie MTRC (Motor Triathlon Race Car): Offensichtlich verlangt die Jugend von heute nach reichlich ausgefallenen Konzepten, verfügt das MTRC doch über einen Allradantrieb, bei dem jedes Rad von einem einzelnen Elektromotor angetrieben wird. Die Motoren werden von Brennstoffzellen mit Energie versorgt. Für Fahrer und Beifahrer sind Spezialhelme vorgesehen, die Informationen ins Blickfeld der Insassen projizieren.

MTRCMTRC

Die Zahl der Konzeptfahrzeuge mit Brennstoffzellen-Antrieb wächst beständig. Toyotas Beitrag auf der Suche nach dem quasi emissionsfreien Auto der Zukunft (ohne CO, Stickoxide, Rußpartikel) heißt in Genf FINE-S, sieht aus wie ein blauer Elektro-Lamborghini und versteht sich als Öko-Sportwagen.

FINE-SFINE-S

Erstmals in der Geschichte des skandinavischen Autoherstellers Volvo wurde ein Fahrzeug ausschließlich von Frauen kreiert. Herausgekommen ist „YCC – Your Concept Car“. Technische Highlights des YCC sind die weit aufschwingenden Flügeltüren, das markige Heck im Maserati-Look und ein schlichter, aber edel erscheinender Innenraum. Bis zu vier Personen haben in dem Volvo YCC Platz.

YCCYCC

Volkswagen zeigt auf dem Genfer Automobilsalon als Weltpremiere die seriennahe Cabriolet-Studie concept C. C steht dabei für Cabriolet und Coupé. Aus gutem Grund: Die neue Generation eines faltbaren Stahldaches verwandelt den viersitzigen Volkswagen binnen Sekunden vom eleganten Coupé in ein ebenso exklusives Cabriolet. Oder umgekehrt. Genial integriert: ein Glasschiebedach. Darüber hinaus zeigt der concept C grundsätzlich Größe: Die Studie gibt einen Ausblick darauf, wie parallel zum erfolgreichen New Beetle Cabriolet ein neues Volkswagen Cabriolet der nächst höheren Klasse aussehen könnte.

concept Cconcept C


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