Automobilrevue.de

IAA Frankfurt am Main
13.09. - 23.09.2001

Die größte Autoshow der Welt ist immer etwas ganz besonderes. In der Bankenmetropole am Main haben die Hersteller außerordentlich viel Platz zur Verfügung, so dass die Präsentation der jeweiligen Marke an sich schon zum Spektakel gerät. So brachte beispielsweise BMW auch in diesem Jahr wieder seine eigene Halle mit, in der die Dynamik der bayerischen Traumwagen besonders hervorgehoben wurde. Maßstab war allerdings mal wieder die Stuttgarter Konkurrenz, die schon fast traditionell die Festhalle belegte und auf zwei Emporen das Mercedes-Benz Portfolio elegant zur Schau stellte. Die mit Spannung erwartete neue Halle 3 wurde im Erdgeschoss komplett von Volkswagen und Bugatti, im oberen Stockwerk von der Ford Group sowie Renault, Nissan und Mazda belegt

IAA-Besuchern wurde allerdings auch mal wieder einiges abverlangt, denn die Wege zwischen den einzelnen Hallen sind teilweise beachtlich lang, ganz zu schweigen von den groß dimensionierten Ständen. Tütenbepackt zog dann regelmäßig ab frühen Nachmittag eine Karawane von Sammlern und Jägern jeglicher Altersklasse in Richtung Rebstockparkplatz und es sammelten sich furchterregende Menschentrauben vor den großen Bushaltestellen.

Doch etwas war diesmal anders als gewohnt, außer dem üblichen Stimmengemurmel gab es fast keine Geräuschkulisse. Im Gegenteil, es herrschte gespenstische Stille. Keine Shows, keine Musik, kein Sound zum Videoclip. Das Ereignis vom 11. September überschattete die gesamte Messe. Eine befremdete Atmosphäre dominierte. So mancher Journalist fragte sich selbst, wer sich denn jetzt überhaupt noch für Autos interessiert. www.automobilrevue.de gibt einen Rückblick auf die wichtigsten und interessantesten Neuvorstellungen der diesjährigen Messe.

Alfa Romeo stellte mit dem 156 GTA sein neues Topmodell in der Mittelklasse vor. Der 184 kW/250 PS starke Bolide stellt das Anfangsglied einer ganzen Reihe von GTA-Modellen dar, die in den nächsten Jahren folgen sollen. Die Italiener möchten sich vom lukrativen Kuchen der AMG-, M- und S-Modelle der deutschen Premiummarken eine ordentliche Scheibe abschneiden. Bei Audi drehte sich alles um die beiden A4-Derivate Avant und Cabriolet, die das Produktprogramm komplettieren. Mit der Studie Avantissimo loteten die Ingolstädter außerdem das Interesse an einem künftigen Oberklasse-Kombi auf A8 Basis aus.

Reichlich Oberklasse gab es auch in der
BMW-Halle zu sehen. Dort erlebte der neue Siebener seinen ersten Auftritt in der Öffentlichkeit. Mit dem neuen Flagschiff läuteten die Bayern eine neue Ära ein und brachen mit dem bisher stilsichereren Design. Da sich über Geschmack bekanntlich streiten lässt enthalten wir uns eines Urteiles, doch sicherlich wird die Siebener-Reihe kontroverse Meinungen auslösen. Großen Zuspruch erntete dagegen die Studie M3 CSL mit einer extrem schnellen sequentiellen-Schaltung aus dem Rennsport und abgespeckt von allem Überflüssigen.

Ob der
Bugatti EB 16.4 Veyron überflüssig ist wird sich in rund zwei Jahren beim Verkaufsstart zeigen. Der Überflieger für VW-Aufsteiger besitzt eine Monstermaschine mit 16-Zylinder und 1001 PS, mit der Spitzengeschwindigkeiten von über 400 km/h erreicht werden können. Zu haben ab 1 Million – Euro versteht sich.

Auch bei
Cadillac tritt ein neues Designzeitalter an. Die gehobene Mittelklasse-Limousine CTS tritt den Kampf um Marktanteile mit einer kantig gezeichneten Karosserie und großen Scheinwerfern an. Der sachliche Innenraum ist befreit vom schweren Luxus seiner Vorgänger und wirkt auf Freunde der Marke fast schon ein wenig nüchtern. Coupé, Van und Geländewagen im zur Zeit im Trend liegenden Flächendesign werden in absehbarer Zeit folgen. Bei Chrysler konnten die Besucher eine Cabrio-Version des erfolgreichen PT Cruisers bewundern. Trotz Überrollbügel machte der offene Retro-Van eine sehr gute Figur und wird in voraussichtlich 2 Jahren in Deutschland zu kaufen sein. Bereits jetzt erhältlich ist der Nachfolger des legendären Jeep Cherokee, dessen charakteristischer Kühlergrill zwei Künstler in einen Sandberg modellierten.

Citroén zeigte neben dem großen C5 Kombi seinen gelungenen Kleinwagen C3, der mittelfristig den Saxo ablösen wird und bereits auf dem ersten Blick an die sympathische Ente erinnert. Warum mussten Citroén-Fans so lange auf das Comeback der ehemals extravaganten Fahrzeuge warten? Wir möchten mehr solcher genialen Entwürfe sehen, zu denen auch das Concept C-Crosser gehört, ein multivariables SUV beachtlichen Ausmaßes. 2 Prototypen im Handgepäck hatte der koreanische Hersteller Daewoo, der mit dem SUV Vada neue Kunden erschließen will und mit dem Kalos einen fast serienreifen Kleinwagen-Van zeigte.

Weg von der "Golfklasse" möchte
Fiat mit dem Stilo, dessen viertürige Version deutlich höher als Wolfsburgs Bestseller ist und fast schon als italienisches Pendant zu Renault Scenic und Opel Zafira angesehen werden kann. Der Dreitürer spricht dagegen eher ein jüngeres, sportlich orientiertes Publikum an, dessen Mut nicht ganz zum Alfa 147 reicht. Weltpremiere erlebte der Ford Fiesta Nachfolger, der wie seine Wettbewerber um eine ganze Klasse erwachsener geworden ist und den Abstand zu Ford Ka erheblich vergrößert. Vorerst ausschließlich als Fünftürer erhältlich wird im nächsten Jahr auch ein Dreitürer nach geschoben. Mit Focus STS und Mondeo STS präsentierte man außerdem noch zwei sportliche Ableger und die Studie Fusion sollte dem Publikum einen Eindruck vermitteln, wohin der Weg bei Ford in den nächsten Jahren gehen wird.

Einen innovativen Kleinwagen stellte
Honda dem Publikum vor. Der Jazz besticht durch hohe Variabilität und ersetzt den in Deutschland glücklosen Vorgänger Logo. Außerdem stellten die Japaner mit dem 200 PS starken Civic Type-R ein weiteres Derivat der erfolgreichen Kompaktbaureihe vor. Flott ist auch das neue Coupé von Hyundai, das im nächsten Jahr mit 2.0-Liter (137 PS) und 2.7-Liter-V6 (175 PS) auf den deutschen Markt kommen wird.

Die englische Edelmarke
Jaguar zeigte ihre mit dem erst kürzlich erfolgreich eingeführten X-Type erweiterte Modellpalette und stahl mit der Studie R-Coupé so manch anderem Aussteller die Show. Der Welt stärkster Seriensportwagen gab es bei Lamborghini zu bestaunen. Der 600 PS starke Murciélago wurde mit Hilfe von Audi entwickelt und löst den Diablo ab.

Mit dem extravagant gezeichneten
Thesis möchte Lancia zurück zu alten Werten. Ein Relaunch der Marke steht unmittelbar bevor und wird mit den Nachfolgern des Zeta und Ypsilon fortgesetzt. Toyotas Nobelableger Lexus komplettierte auf der IAA seine Flotte mit dem schönen SC 430 Cabriolet und dem IS 300 Sportcross mit praktischem Kombiheck. Weltpremiere hatte bei Maserati der von Michael Schumacher und Ferrari Präsident Luca die Montezemolo enthüllte Spyder. Das Interesse der Medien und Zuschauer war gewaltig, was auch an den hochkarätigen Gästen wie Paul Pietsch, Giorgio Giugiaro oder Jean Todd lag.

Bei
Mazda bekamen Freunde des Wankelmotors einen Vorgeschmack auf den in den Startlöchern stehenden RX-8. Der seit rund zwei Jahren auf verschiedenen Messen gefeierte Prototyp hat hohe Aussichten auf eine Serienfertigung in 2003. Mercedes-Benz lies sich mit der Weltpremiere des SL feiern. Der rassige Roadster kommt erstmals mit einem faltbaren Hardtop zu Preisen ab rund 185.000 DM auf den Markt. Mit dem Van Vaneo auf Basis der A-Klasse brachten die Untertürkheimer gleich noch eine zweite Weltpremiere mit nach Frankfurt.

Hoch hinaus wollen die Britten mit dem
MG Z80. Das rassige Coupé wird von einem 4.6-Liter V8 mit 380 PS angetrieben und soll 150.000 DM kosten. Reichlich Horsepower gab es auch bei Mitsubishi zu bewundern. Der Lancer Evo III setzt die Erfolgsserie der Evo-Reihe fort und trumpft mit 280 Turbo-PS und Allradantrieb. Die Studie Pajero Evolution gibt Einblicke in zukünftige Rallye Paris-Dakar Aktivitäten. Eher gut bürgerlich ging es beim Wettbewerber Nissan zu, wo der völlig neu gestaltete Primera erstmals gezeigt wurde. Die beiden Studien Crossbow und mm.e verdeutlichten außerdem Nissans Angriffslust auf neue Zielgruppen.

Wer bei
Opel den längst erwarteten Vectra-Nachfolger erwartete wurde herb enttäuscht. Die Rüsselsheimer möchten sich in Sachen Qualität keine Blöße geben und kündigten dessen Enthüllung für den Genfer Salon 2002 an. Stattdessen zeigte man neben dem praktischen Combo Tour auf Corsa-Basis die Studien Signum 2 und den virtuellen Frogster. Anfassen konnte das Publikum dagegen den neuen Porsche 911 Targa für knapp 160.000 DM und den Carrera 4S mit Turbo-Optik und 320 PS. Reichlich praktisches gab es bei Peugeot zu sehen. Die Franzosen stellten mit den Studien 206 SW und 307 SW zwei gelungene Kombis vor, die das Sortiment in Kürze komplettieren werden. Das die Kollegen von Renault nun endgültig die Vorreiter-Roller für frisches, extravagantes Design aus Frankreich übernommen haben, dürfte spätestens mit der GT-Studie Talisman jedermann klar sein. Der Flügeltürer-Grandturismo besticht durch klare Formen und setzt das mit Avantime und Vel Satis neue Markengesicht selbstbewusst fort.

Saab faszinierte ebenfalls mit einem neuen Gesicht der Studie 9x, die Ausblicke auf künftige Modelle gab. Das Coupé wandelt sich nach Bedarf in einen Pick-up. Roadster-Faszination gab es beim spanischen Hersteller Seat zu sehen. Der knackige Tango lechzt geradezu nach einer Serienfertigung und würde optimal zum temperamentvollen Charakter der Marke passen. Ob die Modellerweiterung nach oben den Kollegen von Skoda mit dem Spitzenmodell Superb gelingen wird, zweifeln wir kaum an. Die Limousine auf verlängerter Passat-Plattform kommt mit kompletter Ausstattung und viel Platz zu günstigen Preisen.

Den Sprung vom Motorrad zum Auto haben die Entwickler von
Suzuki mit der Roadster-Studie GSX-R/4 verwirklicht. 175 PS aus 1.3-Liter reichen völlig aus, um den nur 640 kg leichten Wagen zu hervorragende Fahrleistungen zu bewegen. Eher bodenständig zeigte sich Japans größter Hersteller, Toyota. Dort präsentierte man den neuen Corolla und gleich seinen ersten Abkömmling Corolla Verso. Neu aufgelegt wurde auch der Camry, der insbesondere in Qualität und Anmutung einen deutlichen Schritt nach vorn machen konnte. Zu guter letzt erlebte der interessierte Besucher bei VW den Beweis, das neue Fahrzeuggenerationen in sämtlichen Dimensionen wachen. Der neue Polo mit frechem Lupo-Blick bringt es auf stattliche 3,90 Meter und damit auf ein Niveau, das ursprünglich einem Golf gut zu Gesichte stand. Die Preise starten bei rund 21.000 DM für die Basisversion mit Dreizylinder-Benziner und 55 PS. (dio)

Fotos von A. Setiawan

Festhalle

Festhalle MB-Stand

Alfa

Alfa Romeo 156 GTA

Audi

Audi A4 Cabriolet

Audi A4 Avant

Audi A4 Avant

BWM

BWM 7er

Bugatti

Bugatti EB 16.4 Veyron

Cadillac

Cadillac CTS

Chrysler

Chrysler PT Cruiser Cabrio-Studie

Citroén

Citroén C3

Daewoo

Daewoo Kalos

Fiat

Fiat Stilo

Ford

Ford Fiesta

Hyundai

Hyunda Coupé

Hyundai

Hyundai Concept Clix

Jaguar

Jaguar Studie R-Coupé

Karmann

Karmann Transformer

Kia

Kia Studie K-ACV

Lamborghini

Lamborghini Murciélago

Lancia

Lancia Thesis

Maserati

Maserati Spyder

Mazda

Mazda RX8

MB

MB SL-Klasse

Mitsubishi

Mitsubishi Pajero Evolution

Nissan

Nissan Primera

Opel

Opel Astra OPC X-treme

Opel

Opel Signum 2

Peugeot

Peugeot 206 SW

Peugeot

Peugeot 307 SW

Skoda

Skoda Superb

Smart

Smart Concept Tridion 4

Subaru

Subaru Studie HM-01

Suzuki

Suzuki WSX-R/4

Toyota

Toyota Corolla

Toyota

Toyota Concept ES-3

VW

VW Polo


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