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Die stärkste Jaguar Limousine aller Zeiten
Jaguar S-Type R

Das Engländer luxuriöse Fahrzeuge bauen können gilt in der Branche als Allgemeinwissen, doch sportliche Autos kamen bisher eher aus Italien oder Zuffenhausen. Das dieses ungeschriebene Gesetz nicht in Stein gemeißelt ist, demonstriert
Jaguar mit dem leistungsstarken S-Type R auf eindrucksvolle Weise. Wie sich die Attribute Eleganz, Komfort und Luxus mit den neu hinzu gekommenen Merkmalen Sportlichkeit und Begierde vertragen, testete www.automobilrevue.de in einem Fahrbericht über die stärkste Jaguar Limousine aller Zeiten.

Bereits beim ersten Anlassen faucht uns giftig der Kompressor an, ein leichtes grollen und brummeln ertönt aus dem Motorraum, der von einem markanten Maschengitter bespannten Kühlergrill beherrscht wird. Die Mechanik der acht Zylinder summt dezent und unauffällig im Hintergrund, der Drehzahlmesser verharrt bei 800 Touren. Keine Frage, der 4,2-Liter große Achtzylinder ist präsent und hörbar, ohne dabei störend aufzufallen. Hohe Kultiviertheit gepaart mit britischem Understatement wurden beim S-Type R mit einer fast schon als unverschämt zu bezeichnenden Portion Sportlichkeit kombiniert, was dem Jaguar gänzlich neue Charakterzüge verleiht.

Äußerlich zeigt er dezent seine frisch geschärften Krallen. Der Kenner bemerkt die kleine Spoilerlippe am Kofferraumdeckel, die großen 18-Zoll-Räder mit der Brembo-Bremsanlage sowie besagter Maschengittergrill – dem typischen Erkennungsmerkmal aller Jaguar-Kompressormodelle. Beim beherzten Tritt aufs Gas ist von Zurückhaltung aber nichts mehr zu spüren. Mit einem satten brabbeln setzt sich die Raubkatze geschmeidig in Bewegung. Der Kompressor macht durch ein lässiges sirren auf sich aufmerksam und sorgt so für die nötige Sauerstoffversorgung der 395 Rennpferde. Eine extra Portion Sauerstoff könnten auch die Passagiere vertragen, denn spätestens beim „kick down“ schießt die Limousine mit schier unglaublicher und brachialer Gewalt nach vorne, das es einem fast die Sprache verschlägt. Zwischensprints und Überholmanöver gehören so zu den leichtesten Übungen des Engländers und sorgen für jede Menge Fahrspaß.

Das der Jaguar schwere 1,8 Tonnen auf die Waage bringt ist kaum zu spüren. Sein Motor spricht spontan an und es kostet uns reichlich Überwindung, den Gasfuß unter Kontrolle zu halten. Übertreibt man es doch einmal, greifen ESP und ABS frühzeitig ein und ermahnen so zur Zurückhaltung. Vorsicht ist jedoch auf nasser Fahrbahn geboten, denn hier stößt selbst die beste Elektronik bei zu starker Querbeschleunigung an ihre Grenzen, was sofort mit ausbrechen des Hecks quittiert wird. Doch solche kritischen Manöver gehören zu den Ausnahmen und finden im Alltag nur äußerst selten statt. Verantwortliche Fahrer üben sich in Zurückhaltung und setzen die hohen Leistungsreserven des kraftvollen Achtzylinders gezielt und überlegt ein.

Man weiß das Gefühl der Überlegenheit schnell zu schätzen und dirigiert die Sportlimousine mit einer lässigen Leichtigkeit, auch wenn das auskosten der hohen Fahrleistungen fast schon einem Rauschzustand gleich kommt, bei dem man sich nur noch am Lenkrad festhält, wenn der Gasfuß dem Motor Arbeit gibt. Gut zu gefallen weiß auch die serienmäßige ZF Sechsgang-Automatik, die Butterweich ist und trotzdem schnelle Schaltvorgänge ermöglicht. Wie bei Jaguar üblich ist auch hier die Schaltkulisse „J-förmig“ ausgelegt mit einer separaten Gasse für manuelles Durchschalten. Doch diese Wahlmöglichkeit spielt fast keine nennenswerte Rolle, denn dabei wirkt sich störend aus, das der Wählhebel fast schon zu leichtgängig durchflutscht und die einzelnen Gänge durch ein fehlendes spürbares Einrasten nur unpräzise und nicht immer mit einer hundertprozentigen Trefferquote eingelegt werden können. Doch bei 541 Nm max. Drehmoment bleiben selbst in der höchsten Fahrstufe jederzeit genügend Reserven für kraftvolle Beschleunigungsmanöver.

Sportlich geprägt ist auch der luxuriöse Innenraum, der sich in erster Linie durch graue Edelholzpaneele und stärker profilierten Sportsitzen von seinen schwächer motorisierten Versionen unterscheidet. Beim Einsteigen umschmeichelt der faszinierende Duft britischen Conolly-Leders und feinem Vogelaugenahorn die Sinne. Sämtliche in dieser Klasse erwarteten Extras sind von Haus aus bereits mit an Bord, Wünsche bleiben kaum offen. Der Gesamteindruck wirkt edel und sauber, eben wie in einem First-Class-Hotel. Bis auf die billig wirkenden Lenkstockhebel, die nicht Jaguar-like sind und aus dem Ford-Programm stammen. Beim näheren Betrachten mißfallen auch die Rundinstrumente, die eine Spur zu billig wirken. Die aus dem kleineren
X-Type bekannten Chromringe wären hier das Tüpfelchen auf dem i.

Absolut überzeugend ist hingegen die Bedienung des DVD-Navigationssystem, das mit einem 7“-Touchscreen ausgerüstet ist und präzise funktioniert. Hier sollten sich andere Hersteller ein Beispiel an selbsterklärender Menüführung nehmen, auf ein zeitraubendes Studium der umfangreichen Bedienungsanleitung kann so zumindest für die meisten Funktionen verzichtet werden.

Die bequemen Ledersitze mit großzügiger 16-Wege-Einstellung haben sich insbesondere auf Langstrecken bewährt, jedoch kritisierten einige unserer – zugegebenermaßen großwüchsigen – Testfahrer die nicht ausreichende Längsverstellung. Auch im Fond reist es sich ganz manierlich, wenn gleich es auch hier bei ganz zurückgeschobenen Vordersitzen etwas beengt im Fußraum zugeht. Angenehm – selbst auf der Rüttelpiste – ist der Federungs- und Abrollkomfort. Der Jaguar gleitet trotz des serienmäßigen Sportfahrwerks auf seinen Tatzen ruhig und entspannt darüber, was hauptsächlich auf das Konto des adaptiven Dämpfersystems CATS (Computer Active Technology Suspension) geht. Übermäßige Lärmentwicklung bzw. Klapper- und Vibriergeräusche verkneift er sich ganz mit vornehmer britischer Zurückhaltung. Hier zeigt sich das die Engländer vom Qualitätsmanagement der übermächtigen Konzernmutter Ford einiges hinzu gelernt haben.

Für knapp 80.000 Euro (Basispreis 69.610 Euro) kann man natürlich auch einiges erwarten und das erfüllt der Jaguar absolut. Der starke Achtzylinder mit Kompressor-Aufladung dominiert über alles und damit macht der S-Type R richtig viel Spaß – das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Ob eine kleinere Motorisierung genauso viel Fahrspaß bringt bleibt in diesem Fahrbericht ungeklärt. Denn gerade der Motor in dieser Luxuslimousine ist ein Traum – quasi ein Porsche mit vier Türen.
(dio)

Technische Daten:

Motorbauart/Zylinderanzahl

V8-Zylinder mit Kompressoraufladung

Hubraum [cm3]

4.196

Leistung [kw/PS] bei U/min

291(395) bei 6.100

Max. Drehmoment [Nm] bei U/min

541 bei 3.500

Antrieb

Heckantrieb

Länge x Breite x Höhe [mm]

4.877 x 1.818 x 1.447

Radstand [mm]

2.909

Leergewicht / Zuladung [kg]

1.795 / 445

Kofferraum [L]

400

Tankinhalt [L]

70

Höchstgeschwindigkeit [km/h]

250 (abgeregelt)

Beschleunigung 0 - 100 km/h [s]

5,6

Durchschnittsverbrauch [L/100 km]

12,5

Grundpreis [Euro]

69.610


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Jaguar XJR

Weitere Informationen zu Jaguar finden Sie unter
www.Jaguar.de

Fotos: A. Setiawan

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