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Multitalent aus Fernost erobert Europa

Kompaktvans sind In und beschreiben eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Während das Segment der siebensitzigen Full-Size Vans seit 1998 stagniert, konnte sich das Volumen der familienfreundlichen 4,50 Meter-Kategorie innerhalb von nur drei Jahren mehr als verdoppeln. Kamen 1999 noch 700.000 Einheiten in Kundenhand, so stieg der Absatz 2002 auf rund 1,5 Millionen Fahrzeuge. Kia zielt mit dem im August stark überarbeiteten Carens auf die Zielgruppe der jungen Familien mit großem Platzbedarf und kleinem Budget. www.automobilrevue.de deckt die Stärken und Schwächen des Koreaners im Alltag auf.

Kia gab im vergangenen Jahr mächtig Gas und überarbeitete nahezu die gesamte Modellpalette. Auf die geliftete obere Mittelklasselimousine Magentis folgte kurz darauf der Senkrechtstarter im SUV-Segment, der Sorento. Im August ergänzte dann die zweite Generation des Carens und im Oktober der überarbeitete Rio die Kia-Flotte. Allen gemeinsam sind das nahezu unschlagbare Preis-Leistungsverhältnis, das selbst den Japanern das Fürchten lehrt. Doch ein günstiger Preis reicht heutzutage allein nicht aus, um erfolgreich am hart umkämpften Markt zu bestehen. Qualität und Sicherheit sind mehr denn je gefragt und geben verpackt in ein gutes Design oftmals den entscheidenden Impuls zur Kaufentscheidung. Sympathie und Prestige der Marke spielen dabei meist eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Preis: Hier ist der Kia Carens einsamer Spitzenreiter und in seinem Element. Den 1,6 LX Benziner gibt's schon ab 14.320 Euro. Zum Vergleich: Die Hauptkonkurrenten Opel Zafira und Renault Scenic sind nicht unter 18.640 bzw. 17.600 Euro zu haben und auch relativ günstige Wettbewerber aus Japan wie Mazda Premacy (ab 16.990 Euro) oder Nissan Almera Tino (ab 17.360 Euro) sind vergleichsweise teuer. Bestenfalls die Landsmänner
Daewoo Rezzo (ab 15.290 Euro) und Hyundai Matrix (ab 14.790 Euro) können da noch einigermaßen mithalten. Dabei ist der Kia keinesfalls spartanisch ausgestattet. Schon das Basismodell besitzt serienmäßig elektrische Fensterheber vorn und hinten, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, Colorverglasung, Isofix-Kindersitzanker und Klimaanlage. Der von uns getestete 2.0 CRDi EX (17.590 Euro) besaß außerdem Klimaautomatik, Lordosenstütze für den Fahrersitz, beheizbare Frontscheibe, elektro-chromatischer Innenrückspiegel und Regensensor, Nebelscheinwerfer sowie eine Traktionskontrolle.

Qualität und Funktionalität: Dem Carens kann man keine Vorwürfe machen. Die Qualität bei Kia hat deutlich zugelegt und gibt im Testwagen kaum Anlaß zur Kritik. Quietsch- und Knarzgeräusche sucht man vergeblich, lediglich die Auswahl der verarbeiteten Kunststoffe könnte noch eine Spur hochwertiger sein. Das Cockpit gibt sich aufgeräumt und funktional, bestenfalls der Schalter für den Heckscheibenwischer, der sich links unterhalb des Lenkrades an der Konsole befindet, ist etwas deplaziert. Die Aluminiumapplikation der Mittelkonsole hebt den optischen Endruck der ansonsten etwas plastiküberladen wirkt, Holz-Einlagen wie noch im Vorgängermodell haben im neuen Modell keinen Platz mehr. Die Insassen freuen sich über zahlreiche Ablagen. Taschen in den Rücksitzlehnen nehmen Karten auf, das große Hanschuhfach schluckt locker einen Atlanten und in die Aussparungen der Türablagen passen selbst 1-Liter-Flaschen. Praktisch ist auch das von außen nicht einsehbare Unterflurfach im Kofferraumboden und ein Spannnetz, um lose Gegenstände sicher zu verankern. Laptop- und Mobiltelefonbesitzer sowie Liebhaber von Gameboys oder Computerspielen werden sich über zwei 12-Volt-Anschlüsse freuen.

Flexibilität: Opel hat den Maßstab mit seinem Erfolgsmodell Zafira extrem hoch gesetzt. Den Kia gibt es in Deutschland ausschließlich als Fünfsitzer, eine dritte Sitzreihe, die im Opel revolutionär im Kofferraum verschwindet, gibt's weder für Geld noch für gute Worte. Zumindest können die im Verhältnis 60:40 teilbaren Fondsitze so umgelegt werden, das eine ebene Ladefläche mit einer Länge von 1,58 Meter entsteht. Das Platzangebot des Koreaners ist vorn wie hinten großzügig bemessen und zählt zu den Klassenbesten, was auch für das Gepäckraumvolumen gilt. Bis Fensterhöhe passen 422 Liter in den Carens, lädt man bis zum Dach sind sogar 781 Liter möglich. Dabei wäre allerdings zu wünschen, das die Höhe der Laderaumabdeckung etwas nach oben korrigiert wird. Ein Wasserkasten paßt gerade noch millimetergenau darunter, mit einer Cola-Kiste bekommt man schon Probleme und muß auf die schützende Abdeckung verzichten. Bei umgeklappten Rücksitzen sind bis unters Dach reichlich 1.632 Liter Ladevolumen möglich.

Sicherheit und Fahrverhalten: Der überarbeitete Kia Carens erfüllt den europäischen NCAP-Crashtest mit einem guten "Vier-Sterne-Resultat". Vergrößerte Bremsscheiben, Vierkanal-ABS und elektronische Bremskraftverteilung gehören zur Serienausrüstung. Neben den obligatorischen Front- und Seitenairbags vorn sind leider keine schützenden Lebensretter für die hinteren Insassen lieferbar. Das Fahrverhalten auf trockener Straße des 83 kW/113 PS starken Common Rail-Direkteinspritzers ist gutmütig, doch bei nasser Fahrbahn neigen die Reifen im Format 205/60 R15 frühzeitig zu Aquaplaning. Der Zweiliter-Diesel verrichtet seine Arbeit recht ordentlich, wenn gleich man ihn nicht unbedingt als übermotorisiert bezeichnen darf. 172 km/h Spitze sind sicherlich ausreichend und bis Tempo 140 besitzt er noch genügend Durchzugsvermögen, darüber geht's jedoch deutlich zäher und mühseliger zur Sache. Den Normspurt auf 100 bewältigt der Carens in respektablen 13,5 Sekunden. Der Testverbrauch lag über eine Distanz von rund 3.000 Kilometern bei durchschnittlich 8,5 Liter Diesel. Vor dem Hintergrund, das darin auch einige Volllastanteile enthalten waren, ein akzeptabler Wert.

Design: Weder Hingucker noch Gassenfeger. Der Kia Carens muß mit seinem Vernunftdesign nichts kaschieren denn er ist was er ist - ein ehrlicher Weggeselle. Optisch drückt er deutlicher seine Zugehörigkeit zum Segment der Kompakt-Vans aus, die Frontpartie rückt dabei näher zum größeren Bruder Carnival. Ins aktuelle Familienbild fügen sich auch die markanter gestylten Hauptscheinwerfer mit den integrierten Blinkern im Klarglas-Design ein. Die Türen werden von praktischen und massiven Rammschutzleisten gesäumt, die ihren Namen alle Ehre tragen.

Sympathie und Prestige: Hier liegen wohl noch die größten Defizite des Carens, denn sein Image - wenn er denn überhaupt eins hat - suggeriert in erster Linie billig, billig, billig. Kia-Käufer legen hohen Wert auf rationalere Werte wie Praktikabiliät, Variabilität und Zuverlässigkeit. Kia-interne Untersuchungen haben ergeben, das Kompakt-Van-Besitzer im Gegensatz zu Käufern einer C-Segment-Limousine sehr stark an praktischen Bedürfnissen orientiert sind. So gaben 64,0 Prozent aller Befragten das Platzangebot als wichtigstes Kaufkriterium an. Für 60,3 Prozent stand die Sicherheitsausstattung, für 56,7 Prozent der Wunsch nach Ladekapazität an erster Stelle. Sympathisch ist der kleine Kia-Van aber allemal, denn wie im richtigen Leben schätzte auch unser Testteam bereits nach kurzer Zeit seine inneren Werte.

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Kia Magnetis
Kia Rio

Weitere Informationen über Kia bei:
www.kia.de

Fotos: Achmad Setiawan, Andreas Beez

Kia Carens

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