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Tiefflieger

2.687 ccm, 6-Zylinder-Boxermotor, 220 PS/162 kW, 260 Nm, 250 km/h sind Werte, bei denen Roadsterfans manchmal die Emotionen durchgehen. www.automobilrevue.de behielt die Kontrolle und scheuchte den Boxter 3.000 km quer durch die Alpen.

Mit hohen Erwartungen setzten sich unsere Testfahrer hinters Steuer, wo sich beim herzhaften Tritt auf das Gaspedal aber erst einmal Ernüchterung breit machte. Ein wenig träge für 220 PS dachten wir anfangs, doch schnell kristallisierte sich heraus, der Boxster braucht gehörige Drehzahlhiebe um aus den Puschen zu kommen. Dann stürmt er allerdings mit einem gewaltigen Bums vehement nach vorne und giert nach hohen Drehzahlen. Auf hohem Niveau – rund 4.500 Touren sollten es schon sein – lässt der Porsche seinen Muskeln freien Lauf und reagiert blitzschnell auf sensibelste Zuckungen des rechten Fußes. Fleißiges Schalten belohnt er mit Spontaneität, die zu anfangs festgestellte Trägheit ist längst vergessen. Die mit dem Drehzahlband ansteigende Geräuschkulisse gleicht einem satten Brabbeln und ist ein Schmaus für die Ohren. Jede Tunneldurchfahrt verführt zum Ausdrehen der Gänge und das volle Glucksen der Sechszylinder bei Gaswegnahme zeichnet den charakteristischen Sound eines Boxermotors aus.

Fahrfreude macht sich bei unserem Testteam breit und wir beginnen die Anfahrt zur 2.509 Meter hoch gelegenen Timmelsjoch-Hochalpenstraße, die das Ötztal mit Tirol verbindet. Wir jagen die Serpentinenstrecke Kurve um Kurve den Paß hinauf und müssen dabei richtig arbeiten. Das trotz Servounterstützung schwergängige Volant erfordert hart zupackende Hände, die flink wie ein Wiesel zwischen Schalthebel und Lenkrad hin und her wechseln. Keine Frage, der Boxster ist nichts für zart besaitete Frohnaturen als vielmehr Lustobjekt gestandener Mannsbilder. Wir ertappen uns beim ignorieren der eindrucksvollen Gebirgslandschaft und sind beim Blick auf die Außenthermometeranzeige überrascht, das es binnen weniger Minuten um rund 15°C abkühlte. Beschleunigung, schießt es uns durch den Kopf, kann man auch anhand des Temperaturwechsels ausdrücken - von 32°C auf 17°C in weniger als 15 Minuten...

Wir nutzen die kurzen Geraden zwischen den Spitzkehren zum Überholen langsamerer Fahrzeuge und sind beeindruckt von der Lässigkeit, mit der der 1.260 kg schwere Wagen souverän seine Spur zieht. Nichts scheint ihn aus der Ruhe zu bringen und selbst provokantes Gasgeben im fahrdynamischen Grenzbereich regelt die Elektronik des gegen 1.906 DM/974,52 € Aufpreis erhältlichen Porsche Stability Management (PSM) dezent weg. Die gelb aufflackernde PSM-Warnleuchte zur Kenntnis genommen entschließen wir uns zur gemächlicheren Gangart und lassen uns vom weitläufigen Alpenpanorama faszinieren. Das Dach per Tastendruck in nur 12 Sekunden im Heck versenkt trübt nun nichts die Blicke auf die schneeverhangenen Dreieinhalbtausender von Zuckerhütl, Wildspitze und Weißkugel.

Auch an der Promenade von Riva del Garda macht unser indischrote Boxster eine gute Figur, obwohl nach unserem Geschmack rosso italienischen Sportwagen aus Maranello deutlich besser zu Gesichte steht. Beim öffnen des Verdecks bleiben zahlreiche Passanten stehen und beäugen akribisch Fahrzeug und Fahrer. Zurückhaltung ist fehl am Platz und wir cruisen nicht ganz ohne Stolz langsam durch das quirlige Touristenstädtchen, wohlwissend, noch den Blicken Neugieriger ausgesetzt zu sein.

Das perfekt verarbeitete und mit feinsten savannabeigen Lederhäuten ausgekleidete Interieur erfüllt die Insassen mit Harmonie. Schalterplatzierungen und Funktionen lassen keine Fragen offen und das optional erhältliche Porsche Communication Management (PCM) mit Navigationssystem und 5-Zoll-Bildschirm macht den Griff zum Straßenatlas überflüssig. Das im satten Aufpreis von 6.090 DM/3.113 € GSM-Freisprech- telefon, Kassettenradio und Bordcomputer inklusive sind bedarf keinen weiteren Erklärungen. Verschwenderisch ist der Boxster in der Fülle der Extras, die den Einstandspreis von 81.590 DM/35.960 € bei unserem Testexemplar locker auf reichlich 110.000 DM treiben. Auch beim Nachfüllen des 64 Liter großen Tanks mit edlem Super Plus hört man sich gelegentlich leise sagen, das man das Sparen lieber anderen überlassen soll, denn im Schnitt konsumiert der Zuffenhausener Sportwagen üppige 13,3 Liter auf 100 km. Wer auf wenig befahrenen Autobahnen längere Zeit den Hochgeschwindigkeitsbereich auskostet, wird spätestens nach rund 300 km mit einer Stop&Go-Pause zum Nachtanken bestraft. Doch den wahren Porschefan wird das den Spaß sicher nicht vermiesen. (dio)

Porsche Boxster

Porsche Boxter

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