Automobilrevue.de

Abenteuerspielplatz
Rover Streetwise 1.4

Kleine Kinder spielen gern – große noch viel lieber. So oder ähnlich müssen die Marketing Manager von Rover gedacht haben, als sie den Streetwise im vergangenen Jahr präsentierten. www.automobilrevue.de lies dem Spieltrieb freien Lauf und unterzog dem kleinen Vagabund einen Alltagstest.

Nischenprodukte liegen voll im Trend, der Drang zur Individualisierung ist ausgeprägter denn je. Das sich dies auch in einer breiten Palette unterschiedlichster Autos niederschlägt, davon zeugen die Erfolge von Roadstern, Allradfahrzeugen und Sportwagen. Obwohl die meisten Sportwagen wohl nie eine Rennstrecke zu Gesicht bekommen und selbst waschechte Geländewagen kaum über Stock und Stein klimmen, verschaffen sich ihre Besitzer damit ein eigenes Image. Mit dem Streetwise zielt Rover in erster Linie auf jüngere Kunden, denen ein Off-Roader sowohl in der Anschaffung als auch im Unterhalt zu teuer ist. Da die meisten Allradler nur sehr selten asphaltierte Pisten verlassen, haben die Britten den Vierradantrieb gleich ganz weggelassen und setzen auf die ökonomischen Vorzüge des Frontantriebes. So basiert der Streetwise auf dem Rover 25, mit dem das britische Unternehmen aus Longbridge fast 50% seines Umsatzes erwirtschaftet.

Frecher Auftritt

Auch die Karosserie wurde für den Großstadtdschungel optimiert. So besitzt der Streetwise einen Frontgrill und Stoßfänger aus robustem, unlackierten Kunststoff – ein für Rover Fahrzeuge völlig neues Design. Das gleiche widerstandsfähige, kratz- und splitterfeste Material kommt an den Radläufen, dem Spritzschutz, den seitlichen Schutzleisten, dem hinteren Stoßfänger und dem Griff der Heckklappe zum Einsatz und nimmt einen kleinen Rempler nicht gleich übel. Doch damit dies gar nicht erst passiert, genießen Fahrer und Passagiere eine deutlich höhere Sitzposition als im Rover 25 und somit eine bessere Übersicht. Eine serienmäßige Dachreling verstärkt den frechen Auftritt des Engländers.

Obwohl die Frontpartie sehr kunststofflastig ist, wirkt sie durch die Linienführung mit dem im Stoßfänger integrierten Grill und den in den unteren Flanken eingelassenen Nebelscheinwerfer und Blinkleuchten äußerst bullig. Abenteurer werden vor allem die kurzen Überhänge des Streetwise zu schätzen wissen, garantieren diese doch sicheres fortkommen auch auf hügeligen Spielplätzen.

Britische Noblesse im Innenraum

Im Interieur findet man das aus dem Rover 25 bekannte Design. Durch neue und geschickt eingesetzte Materialien wirken Armaturenbrett und Seitenverkleidungen allerdings hochwertiger. Dieser gute Eindruck wird unterstrichen durch die vier einzelnen Sportsitze, die zwar straff gepolstert aber dennoch bequem sind und guten Seitenhalt bieten. Vor allem wenn sie wie im Testwagen mit Leder bezogen sind, stellt sich ein Hauch von britischer Noblesse ein. Eine silberfarbene Rahmung der Mittelkonsole und die ebenfalls silberfarbenen Einfassungen der Schaltkulisse sowie der Fensterheberschalter unterstreichen die elegante Note während die vier blau hinterlegten Rundinstrumente sowie das Dreispeichenlenkrad mit dem neuen Rover Emblem für eine gewisse Sportlichkeit sorgen.

Das der Streetwise für Nichtraucher konzipiert wurde, davon zeugt die Position des Aschenbechers, der sich auf der Mittelkonsole zwischen Vorder- und Rücksitzen befindet. Ein Rauchen des Fahrers während der Fahrt wird somit schier unmöglich und bleibt den Fondpassagieren vorbehalten. Die Bedienung bereitet selbst Rover-Neulingen keine Schwierigkeiten, da die Instrumente logisch gruppiert und leicht abzulesen sind. Unverständlich ist allerdings, weshalb die ins Armaturenbrett versenkte Reglerstellung der Lüftung vom Fahrer nur schwer zu erkennen ist.

Zahlreiche, individuelle Ablagemöglichkeiten nehmen allerlei Utensilien kleiner und großer Abenteurer auf. Gut gemeint sind die Flaschenhalterungen in den Türen, die aber leider etwas zu klein ausgefallen sind und bestenfalls Getränkedosen im Red Bull-Format aufnehmen können. Die Ausstattung schließlich ist großzügig bemessen und entspricht den Erwartungen mit serienmäßiger Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern, Radio mit CD-Player, elektrisch verstellbaren Außenspiegeln, Leichtmetallfelgen sowie elektronischer Einparkhilfe hinten. Doch bei den Sicherheitsfeatures zeigt der Streetwise erhebliche Lücken. Während ABS, Fahrer- und Beifahrer-Airbags serienmäßig an Bord sind, wurden weitere Sicherheitselemente wie Seitenairbags, Traktions- und Stabilitätskontrolle oder Bremsassistent nicht einmal als Sonderzubehör berücksichtigt. Hier schlägt dann doch die mittlerweile etwas betagte Konstruktion des Rover 25 durch.

Praktisch ist, dass sich die Rücksitzbank mit einfachen Handgriffen asymmetrisch umlegen lässt und Stauraum für unterschiedlichste Anforderungen bereitstellt - das Gepäckabteil vergrößert sich so von 304 auf 1.068 Liter und nimmt damit auch problemlos größeres Spielgerät auf. Nur die 74 cm hohe Ladekante wirkt dabei störend.

Dezente Beschleunigung

Angetrieben wird der Rover wahlweise von einem 1,4-Liter-Benzinmotor mit 76 kW/103 PS, einem 1,6 Liter-Benziner mit 80 kW/109 PS und einem 2.0-Liter-Turbodiesel mit 74 kW/101 PS. Wir testeten die 1,4-Liter-Basisversion, die über ein maximales Drehmoment von 123 Nm bei 4.500 U/min verfügt und den Streetwise bis auf 174 km/h beschleunigt. Doch damit hatte der 1.015 kg schwere urbane On-Roader spürbare Probleme, denn eine zügige Fahrweise ist mit dem kleinen Motor nur unter Vollast möglich, was wiederum Verbrauch und Geräuschkulisse in die Höhe schraubt. Ab Tempo 130 nimmt das Rauschen in Türnähe und die hohen Fahrgeräusche derart zu, das eine Kommunikation schier unmöglich wird. So wurde die mangelnde Durchzugskraft auch von allen Testfahrern am meisten kritisiert.

Kritik muss sich der Rover auch bei den Fahreigenschaften gefallen lassen. Obwohl seine Wendigkeit positiv gelobt wurde traten bei der Lenkung und der Bremsbalance Defizite auf. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten wird ihm seine Höhe und die nicht optimale Aerodynamik zum Verhängnis und es stellt sich ein Gefühl des Herumeierns ein. Da die Bremsen im ersten Moment eher etwas zögerlich ansprechen fühlt man sich genötigt, etwas mehr Druck auf das Pedal auszuüben, was dann aber oft in eine ungewollt starke Bremsung mündet. Vorsichtiges Herantasten an die Bremsleistung und etwas Zehenspitzengefühl sind hier angebracht.

Günstiger Unterhalt

Beim Thema Kosten versöhnt uns der Streetwise dann wieder. 15.995 Euro sind für die 1.4-Liter-Version in der Basisausführung R1 zu entrichten und somit exakt 1.700 Euro mehr als für den Rover 25, für die reichhaltiger ausgestattete R2-Version des Testwagens werden 17.595 Euro fällig. Neben seinen günstigen Verbrauchswerten von durchschnittlich 7,3 Liter/100 km (Werksangaben) beeindruckt er mit niedrigen Unterhaltskosten für Versicherung und Wartung. So muss der Streetwise nur alle 25.000 Kilometer oder einmal jährlich zur Inspektion in die Werkstatt. Darüber hinaus erhält der Abenteuer suchende Kunde eine dreijährige Garantie sowie eine ebenfalls dreijährige Mobilitätsgarantie.

Fazit:

Der urbane On-Roader ist robust, flexibel einsetzbar und schick – ein kompaktes Automobil, das ein hohes Maß an Fahrspaß vermittelt, sich agil durch die Innenstadt bewegen lässt, für das sich immer eine Parklücke findet und das nicht zuletzt eine nicht immer pflegliche Behandlung durch aktive Menschen und junge Familien unbeschadet übersteht. Rover ist mit diesem jugendlichen Gefährt ein sympathisches und eigenständiges Fahrzeug gelungen, dass seine Chance am Markt verdient hat. Auch wenn nicht die letzte technisch mögliche Stufe gezündet wird, erhält man doch für einen Einstiegspreis von 15.995 Euro ein Fahrzeug, wie es individueller nicht sein kann. Bei einer angepeilten Verkaufszahl von etwa 500 Einheiten im Jahr bekommt man für sein Geld einen echten Hingucker. Kleine technische Schönheitsfehler wird die Kundschaft dabei wohl in Kauf nehmen.
(dio)

Technische Daten
(Werksangaben)

Motorbauart/Zylinderanzahl

4 Zylinder Reihenmotor

Hubraum [cm3]

1.396

Leistung [kw/PS] bei U/min

76/103 bei 6.000

Max. Drehmoment [Nm] bei U/min

123 bei 4.500

Antrieb

Frontantrieb

Länge x Breite x Höhe [mm]

3.980 x 1.736 x 1.495

Radstand [mm]

2.505

Leergewicht / Zuladung [kg]

1.015 / 505

Kofferraum [L]

304 – 1.086

Tankinhalt [L]

50

Höchstgeschwindigkeit [km/h]

174

Beschleunigung 0 - 100 km/h [s]

11,0

Durchschnittsverbrauch [L/100 km]

7,3

Grundpreis [Euro]

17.595 (Streetwise 1.4 R2)

Rover und MG bei www.automobilrevue.de:

Rover 25

Rover 45

Rover 75 Tourer

Rover Spiritual

MG Le Mans 2001

MG TF Roadster

MG ZR

MG ZS

MG ZT 260

Weitere Informationen zu Rover und MG finden Sie unter www.mgrover.de

Fotos: Achmad Setiawan & Andy Beez

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4

Rover Streetwise 1.4


Seitenanfang

<<< voriger Bericht zurück nächster Bericht >>>