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Begegnungen der japanischen Art im Allgäu
Mazda MX-5 und Toyota MR2 sind zwei klassische Roadster der modernen Art. Wir waren mit ihnen im Allgäu unterwegs und genossen das typische Roadster-Feeling an einem sonnigen Herbstwochenende.

Der Wetterbericht versprach reichlich Sonne bei milden 20°C, das Wochenende stand vor der Tür und die Reisetaschen samt Picknickkorb waren schnell gepackt. Zur Sicherheit noch die dicken Daunenjacken beigelegt und ab ging's. Doch das MR2-Testteam steht bereits vor Fahrtantritt vor dem ersten Problem: Wohin nur mit dem ganzen Zeug, denn unter der hinteren Haube nimmt der Mittelmotor des reinrassigen Sportlers den kompletten Raum ein. Zuversichtlich öffnen wir die Fronthaube, doch oh Schreck - auch hier kein Kofferraum. Das Reserverad macht sich in einer engen Mulde breit, die lediglich noch Platz für eine knautschbare Plastiktüte bietet. Fast schon entmutigt entdecken wir dann die beiden Klappen hinter den Sitzlehnen, die zumindest kleinere Dinge wie Fototasche oder Aktenkoffer aufnehmen können.

Doch wir haben ja noch die netten Kollegen des MX-5, die unseren Accessoires verständnisvoll Asyl anbieten - die gemeinsame Tour ist gerettet. Auch wenn der Kofferraum des
Mazda seinen Namen nicht ganz gerecht wird, so passen doch immerhin bis zu 144 Liter hinein, was mehr ist als es sich anhört. Los geht es über die Dauerstau geplagte A3 gegen Süden, um am Biebelrieder Kreuz auf die relativ wenig befahrene A 7 zu wechseln. Hier können wir mit unseren beiden Testkandidaten mal richtig Gas geben und sind besonders vom Vorwärtsdrang des Toyotas ziemlich angetan.

Sein kraftvoller 1,8-Liter Motor leistet 103 kW/140 PS und ein maximales Drehmoment von 170 Nm. Erst bei Tempo 210 geht ihm die Puste aus, was auch angesichts des hohen Geräuschpegels kein Verlangen nach höherem Tempo aufkommen lässt. Der mit der kleineren 1,6-Liter Maschine ausgerüstete Mazda kommt da nicht ganz mit. Seine 110 Pferdchen (81 kW) brauchen ordentlich die Sporen, damit sie auf Trapp kommen. Wer die Peitsche schwingt um in höhere Drehzahlregionen zu gelangen, dem dankt es der MX-5 mit einer Spitzengeschwindigkeit von 191 km/h. Etwas Geduld ist dabei allerdings von Nöten, denn ab 120 km/h gehen ihm die Gäule aus und es zieht sich ein wenig bis zum erreichen der Höchstgeschwindigkeit.

Doch die wahren Stärken der beiden Kontrahenten zeigen sich naturgemäß auf kurvenreichen Straßen, wir sie im Allgäu reichlich zu finden sind. In Füssen verlassen wir die Autobahn und legen einen Boxenstop ein, um uns mit Kaffee und belegten Brötchen zu stärken. Tipp: Kaffee im Staufach des MR2 transportieren, damit er durch die Wärmestrahlung des Mittelmotors länger warm bleibt.

Um unsere Gesichter zu bräunen und die herrliche Landschaft ungehindert zu genießen, öffnen wir die Verdecke. Leichter als beim Mazda kann man es nicht mehr machen: Arretierungen öffnen und mit einer Hand das Dach nach hinten gleiten lassen - fertig, aus. Zumindest wenn man auf die aufknöpfbare Persenning verzichtet. Schließen funktioniert genauso easy. Im sitzen ein Griff nach hinten und den Wetterschutz wie eine Kapuze überstülpen. Der Toyota ist da etwas fummeliger zu bedienen. Die Sonnenblenden stehen dem Entriegelungs- mechanismus im Wege und beim lässigen "nach hinten fallen lassen" bleibt das Verdeckt auf halbem Wege stecken. Aussteigen und herunterdrücken ist angesagt, will man das Dach ordentlich einrasten. Dafür kommt man ohne das lästige anbringen einer Persenning aus, denn das Dach dient gleichzeitig als schützende Abdeckung.

Wir nehmen Kurs auf das Ammergebirge und passieren den idyllischen Plansee. Die Landschaft lässt Sehnsüchte nach kanadischen Wäldern aufkommen und mit unseren flotten Sportflitzern lösen wir sichtbares Interesse bei Wanderern und Spaziergängern aus. In rasch folgenden Kurvenkombinationen stellt sich totaler Fahrspaß ein - links, rechts, ab durch die Mitte. Der Toyota begeistert durch sein sequentielles Schaltgetriebe, das ohne Kupplung auskommt und wahlweise durch kurze Vor- und Rückbewegung der verchromten, offenen Schaltkulisse mit dem Billardkugel-Schaltknauf oder durch kurzes Antippen der ins Lenkrad integrierten Tasten erfolgt. Auch im Mazda gehen die Schaltvorgänge leicht von der Hand. Der kleine Hebel mit den kurzen Schaltwegen ist knackig zu bedienen, während der rechte Arm lässig auf dem hohen Mitteltunnel ruht. Das dabei regelmäßig der Deckel eines kleinen Ablagefaches aufgeht, stört uns nicht weiter.

Deutlich unangenehmer ist der kleine Innenraum des MX-5. Es Zwickt und Zwackt an allen Enden, die Ellenbogen der beiden Insassen reiben dabei zärtlich aneinander. Anders im MR2, hier haben die Passagiere reichlich Platz und sitzen distanzierter. Die beiden Cockpits sind übersichtlich und funktionell gegliedert, lediglich der Plastiklook im Toyota könnte visuell ein wenig hochwertiger ausgeführt sein. Dafür glänzt die von uns gefahrene Color Edition in sumatragrün-mica mit Verdeck und Ledersitzen in saddle beige. Die Ausstattung beinhaltet u.a. ein CD-Radio mit Multi-Info-Display, 15"-Leichtmetallfelgen, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Mazdas Einstiegsroadster ist da eher ein Sparbrötchen, bis auf ABS, 2 Airbags und elektrische Fensterheber kosten weitere Annehmlichkeiten Aufpreis. Dafür ist sein Einstandspreis aber auch deutlich niedriger als der des MR2. Mit der kleinen Einssechser Maschine gibt's den MX-5 bereits ab 19.935 €/38.989 DM, wogegen für seinen Wettbewerber mindestens 23.840 € / 46.627 DM, für die Color Edition mit SMT-Getriebe gar 27.085 € / 52.973 DM an den Händler zu überweisen sind. (dio)

Toyota MR2

Toyota MR2

Mazda MX-5

Toyota MR2

Toyota MR2

Toyota MR2

Mazda MX-5

Toyota MR2

Mazda MX-5

Toyota MR2

Toyota MR2

Neuschwanstein


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