Automobilrevue.de

Understatement in seiner reinsten Form
VW Passat W8

Sein Steckbrief hört sich lecker an und verspricht Appetit: 4.0-Liter Achtzylinder in ungewohnter W-Form, 275 PS, 370 Nm, permanenter Allradantrieb, 250 km/h Spitze, 0 -100 km/h in 6,5 Sekunden. Doch dann kommt's: Verpackt in einer VW Passat-Karosse! Freunde des Understatement werden ihn lieben, extrovertierte Persönlichkeiten ihn meiden wie die Katzen das Wasser. Was versteckt sich hinter dem VW Passat W8? www.automobilrevue.de deckt auf.

Ein Exote wird er immer bleiben, denn das lukrative Feld der oberen Mittelklasse wird von den Platzhirschen Audi, BMW und Mercedes-Benz dominiert. Doch für Volkswagen ist der Passat W8 nicht nur ein reiner Imageträger sondern stellt auch ein wichtiger Brückenschlag zwischen Mittelklasse und Luxusklasse (Phaeton) dar. Preislich markiert der W8 mit stolzen 41.000 Euro das obere Ende der Passat-Preisliste und lässt zum Flagschiff Phaeton 3.2-V6 dennoch einen respektablen Abstand von 56.200 Euro.

Doch was unterscheidet einen Basis-Passat vom W8? Soviel vorneweg - es sind die inneren Werte, auf die es im Leben bekanntlich ankommt. Rein äußerlich fallen in erster Linie die Bi-Xenon-Scheinwerfer und diverse Chromleisten sowie die beiden verchromten Doppel-Endrohre der Auspuffanlage auf. Mächtige 17-Zoll-Leichtmetallfelgen mit Reifen im sportlichen Format 225/45 R17 verleihen der ansonst braven Limousine eine ordentliche Portion Dynamik. Im adretten Innenraum heben sich die bequemen Recaro-Alcantara-Sportsitze vom Passat-Einerlei ab und der bis 300 km/h skalierte Tachometer stärkt das Selbstwertgefühl eines jeden VW-Fahrers. Hochglanzpoliertes Nussbaumholz und reichlich Chrom umschmeicheln die Augen der Passagiere und versprühen Hochwertigkeit sowie einen Hauch Exklusivität. Keine Frage, die kleinen Details machen den großen Unterschied und avancieren den Passat W8 zum Premiummobil für Individualisten.

Doch der größte Unterschied zum nur halb so teuren Basis-Passat ruht unter der Fronthaube. Verdeckt hinter einer schmucken Kunststoffabdeckung steckt der erste und bislang einzige Achtzylinder von Volkswagen. Obgleich es nahe läge, ins Motorenregal der Konzernschwester Audi zu greifen, entwickelten die VW-Ingenieure ein eigenes Triebwerk, das sich vereinfacht ausgedrückt aus zwei Vierzylindern in V-Form zusammenfügt und somit seine charakteristische W-Form erhält. Das 4.0-Liter große Aggregat leistet 202 kW/275 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 370 Nm schon bei 2.750 U/min.

Um die Kraft überhaupt auf den Asphalt zu Projektzieren bietet VW den W8 ausschließlich mit dem permanenten Allradantrieb 4MOTION an. Das System unterscheidet sich jedoch vom Antrieb des Golf, Bora oder Sharan, die mit einer Haldex-Kupplung auskommen, während beim Passat ein selbstsperrendes Torsen-Mitteldifferenzial zum Einsatz kommt. Es verteilt die Antriebskräfte zwischen Vorder- und Hinterrädern unter normalen Fahrzuständen gleichmäßig. Somit halbiert sich gegenüber Fahrzeugen mit Heckantrieb die pro Rad aufzunehmende Antriebskraft. Und das wirkt sich positiv auf die Seitenführungskräfte aus. Folge: Der Passat W8 fährt wie auf Schienen. Sein volles Potential spielt der Allradantrieb jedoch erst bei Vollastbeschleunigungen oder auf rutschigem Untergrund aus. Hier teilt das Torsen-Differenzial die Antriebskraft jenen Rädern zu, die die beste Traktion aufweisen. Bei Geschwindigkeiten unter 40 km/h unterbinden darüber hinaus die vier Elektronischen Differenzialsperren (EDS) per Bremseineingriff jegliches Durchdrehen einzelner Räder.

Der Achtzylinder glänzt durch seine besonders angenehme Kultiviertheit und Laufruhe. Sein Motorengeräusch wirkt kraftvoll aber stets dezent, während seine Leistungsentfaltung für einen wahren Rausch an Glückshormonen sorgen kann. An Mangel an Durchzugskraft fehlt es ihm wahrlich nicht. Kombiniert mit der gegen 1.825 Euro Aufpreis erhältlichen Fünfstufen-Automatik mit Tiptronic-Funktion glänzt der Passat mit exzellenten Fahreigenschaften. So beschleunigt die Limousine aus dem Stand auf 100 km/h in nur 7,8 Sekunden (Handschaltung: 6,5), was bei so manchem BMW-Fahrer für Aufregung sorgen dürfte. Und hier liegt einer der größten Trümpfe des Passat W8 - seine Unscheinbarkeit, insbesondere in der Kombiversion Variant.

Unser Testwagen schien ein besonders laufstarkes Exemplar zu sein, zeigte doch der Tacho bei manchen Autobahnetappen bis zu 280 km/h an. Ein riesen Spaß - brave Familienkutsche blinkt Porsche 911 von der linken Spur! Das ist der Stoff, aus dem die Autofahrer-Träume sind. Und dabei bekommt man nicht einmal feuchte Hände, denn der W8 bleibt in allen Situationen souverän und gutmütig und leicht beherrschbar. Seine Bremsen werden den hohen Fahrleistungen voll gerecht und packen giftig zu, wer doch einmal etwas zu optimistisch in eine Kurve fährt, den weist die Elektronik des ESP-Systems schnell in seine Grenzen.

Das Fahrwerk des Top-Passats ist straff aber durchaus komfortabel ausgelegt und lässt sich weder durch lange Bodenwellen noch durch Querrillen aus der Ruhe bringen und bleibt sogar bei Seitenböen äußerst Spurstabil. Komfortabel schaltet auch das Automatikgetriebe, dessen manuelle Schaltfunktion getrost als netter Gag bezeichnet werden kann, der in der Praxis kaum eine Rolle spielt. Wer sich einmal an die Vorzüge des automatischen Schaltens gewöhnt hat, lässt schnell die Finger vom Tiptronic-Wählhebel, schließlich kann die Elektronik alles etwas schneller und präziser als durch einen manuellen Eingriff. Etwas ungezähmt reagiert das Getriebe jedoch auf allzu heftige Beschleunigungsmanöver. Dann wird beim herunterschalten vom vierten Gang auch schon einmal die dritte Stufe übersprungen und man landet unsanft mit einem Ruck im zweiten, der einen aufgrund der vehement einsetzenden Beschleunigung in die Lehnen der Sportsitze presst.

Bequem und großzügig geht's im Innenraum zu. Die Passat-Karosserie bietet selbst im Fond üppige Platzverhältnisse und macht Langstrecken zum Vergnügen. Eine reichhaltige Serienausstattung, die u.a. Alufelgen, Bi-Xenon-Scheinwerfer und Climatronic umfasst, lässt kaum noch Wünsche offen. Wer es noch individueller mag, dem stehen gegen Aufpreis Navigationssystem mit TV-Funktion, digitale Soundpakete, Solar-Schiebedach mit automatischer Lüftungsaktivierung oder feine Komfortsitze in Leder Feinnappa und achtfacher elektrischer Verstellung zur Verfügung. Bedienbarkeit und hohe Funktionalität waren beim aktuellen Passat sowieso nie ein Thema, lediglich die blaue Nachtbeleuchtung der Instrumente sorgt für kontroverse Meinungen.

Keine Diskussionen gibt es jedoch beim Thema Kosten. Mit einem Anschaffungspreis von 41.000 Euro für die Limousine (Variant: 42.200 Euro) hört bei den Passat-Käufern üblicherweise der Spaß auf. Der voraussichtliche hohe Wertverlust belastet das Bankkonto zusätzlich nicht unerheblich und trennt die Spreu vom Weizen. Auf den Geldbeutel drückt auch der Kraftstoffverbrauch, der im Test mit durchschnittlich 17,4 Litern teures Super Plus ziemlich hoch ausfiel. Reizt man die opulenten Fahrleistungen regelmäßig aus, dürfte noch ein deutlicher Nachschlag beim Spritkonsum fällig sein.

Keine Frage, Luxus war bekanntlich noch nie für kleines Geld zu haben und die hohen Unterhaltskosten tun ihr übriges, um so manchen potenziellen Interessenten wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. Doch blickt man einmal zum Wettbewerb zeigt sich schnell, das auch dort nur mit Wasser gekocht wird und deren Modelle aus der gleichen Preisliga nur mit Sechszylinder-Maschinen zu haben sind. Deren Achtzylindermodelle liegen preislich um rund zwanzig Prozent über dem Passat W8, bringen dafür allerdings auch erheblich mehr Prestige mit. Aber Freunde des "Mehr sein als Schein" sehen das sowieso anders, denn Understatement gibt's bei der deutschen Konkurrenz weder für Geld noch gute Worte.
(dio)

Volkswagen bei www.automobirevue.de:

VW Lupo 3-Liter
VW Magellan
VW Microbus
VW New Beetle
VW New Beetle Cabrio
VW Tareg

Weitere Infos zu Volkswagen unter
www.volkswagen.de

Fotos: Achmad Setiawan

VW Passat W8

VW Passat W8

VW Passat W8

VW Passat W8

VW Passat W8

VW Passat W8

VW Passat W8

VW Passat W8

VW Passat W8

VW Passat W8

VW Passat W8

VW Passat W8


Seitenanfang

<<<voriger Fahrbericht zurück zur Übersicht nächster Artikel >>>